Landeskirche schiebt Initiativen gegen Kinderarmut an

Nachricht 07. Juli 2008

Hannover (epd). In der hannoverschen Landeskirche haben sich mehr als 40 neue Bündnisse zum Kampf gegen Kinderarmut gegründet. Sie wollen sich am Projekt "Zukunft(s)gestalten - Allen Kindern eine Chance" beteiligen, für das die evangelische Landeskirche bis 2010 insgesamt eine Million Euro zur Verfügung stellt. Mit den Fördermitteln soll vor Ort eingeworbenes Geld zugunsten bedürftiger Kinder aufgestockt werden, kündigte Landesbischöfin Margot Käßmann am Montag in Hannover vor Journalisten an. Noch bis zum Beginn des neuen Schuljahrs legt die Kirche für jeden Euro einen Euro drauf.

Später werden laut Käßmann jeweils drei Euro Eigenmittel mit einem Euro gefördert. Zusätzlich zu bereits bestehenden Initiativen wie Hausaufgabenhilfen, Schul-Starterpaketen oder "Tafeln" mit überschüssigen Lebensmitteln erwarte sie dadurch einen Schub für neue Projekte. Zugleich wolle die Kirche auch die Politik in die Pflicht nehmen: "Wir können als Kirche die politischen Rahmenbedingungen nicht ändern. Deshalb liegt uns daran, dass Politikerinnen und Politiker sich des Themas annehmen, um gerechte Teilhabe möglich zu machen."

Jedes sechste Kind unter sieben Jahren sei in Niedersachsen auf Sozialhilfe angewiesen, sagte Käßmann: "Armut grenzt aus." Für Kinder von Hartz-IV-Empfängern sei für Lebensmittel ein Tagessatz von nur 2,57 Euro eingeplant. Dies reiche bei weitem nicht aus. "Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass Kinder mit hungrigem Magen in der Schulbank sitzen", betonte die Bischöfin der mit mehr als drei Millionen Mitgliedern größten evangelischen Landeskirche in Deutschland.

Ziel der kirchlichen Initiative sei es, in den Gemeinden zwischen Hann. Münden und Cuxhaven Bündnisse zu schließen, sagte der hannoversche Oberlandeskirchenrat Christoph Künkel: "Armut ist ein gesellschaftliches Problem, das sich zurzeit besonders bei den Kindern herauskristallisiert." Je nach Höhe der von Kirchengemeinden, politischen Gemeinden und privaten Unterstützern aufgebrachten Mittel könnten bis zu 113 Projekte gefördert werden. Er hoffe, dass es nach 2010 weitere Mittel geben werde, sagte Künkel.

Zu den neu begonnenen Projekten gehört unter anderem die Aktion "Gefüllter Schulranzen", die im evangelischen Kirchenkreis Syke-Hoya bei Bremen bedürftige Erst- und Fünftklässler mit Büchern und Lernmitteln ausstatten will. Dabei arbeite der Kirchenkreis mit dem Landkreis Diepholz sowie den Kreissparkassen Syke und Diepholz zusammen, berichtete Superintendent Jürgen Flohr. Auch der Nachbarkirchenkreis Grafschaft Diepholz wolle sich beteiligen.

Internet: www.zukunftsgestalten.de


(epd Niedersachsen-Bremen/b1930/07.07.08)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen