Norden: 20.000 Christen feiern Ostfriesischen Kirchentag

Nachricht 06. Juli 2008

Norden (epd). Mit einem Gottesdienst in plattdeutscher Sprache ist am Sonntag in der Stadt Norden der 5. Ostfriesische Kirchentag zu Ende gegangen. Der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Jann Schmidt, forderte die Christen in seiner Abschlusspredigt unter freiem Himmel dazu auf, mehr Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen: "Niemand kann am Sonntag mit Überzeugung Halleluja singen und im Alltag die Augen vor der Armut in diesem Land verschließen."

An dem Treffen unter dem Motto "Ein Stück vom Himmel -- Lücht in mien Leven" nahmen am Wochenende nach Angaben der Veranstalter insgesamt rund 20.000 lutherische und reformierte Protestanten teil. Armut und Not hätten derzeit keine Stimme in Deutschland, sagte Schmidt. Viele Menschen schämten sich für ihre Armut: "Eltern reden nicht gern darüber, wenn sie ihren Kindern keinen Schulranzen kaufen können. Männer sprechen nicht darüber, dass sie ihre Familie mit dem Geld, das sie verdienen, nicht mehr vernünftig ernähren können."

Bei einem Streitgespräch zur Energiepolitik wandte sich der Grünen-Bundestagsabgeordnete Thilo Hoppe gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke. "Die Errichtung von neuen Kraftwerken dieses Typs ist absolut unvernünftig", sagte der Diakon und Politiker aus Aurich. Der Ausstoß von Kohlendioxid müsse radikal reduziert werden. Der niedersächsische CDU-Generalsekretär Ulf Thiele sprach sich dagegen für neue Kraftwerke aus. Die Wirtschaft benötige verlässliche und günstige Energie. Das Land Niedersachsen plant ein neues Kohlekraftwerk in Emden.

Zum Auftakt des Treffens hatte die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann zur Überwindung von Gewalt aufgerufen. Christinnen und Christen müssten gegen Ungerechtigkeit Einspruch erheben und "Spuren vom Himmel" legen. Es dürfe nicht sein, dass in Niedersachsen jedes sechste Kind in Armut lebe und weltweit täglich Kinder verhungerten. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) rief zur Bewahrung der Schöpfung und zu einem friedlichen Zusammenleben auf.

Die Besucher des Kirchentags konnten zwischen mehr als 300 Ausstellungen, Konzerten, Mitmach-Aktionen und Gottesdiensten wählen. Eine Veranstaltung über den Umgang von Polizisten mit dem Tod musste wegen Überfüllung geschlossen werden. Rund um die mittelalterliche Ludgerikirche war ein "Markt der Möglichkeiten" aufgebaut, bei dem mehr als 100 Gemeinden und Initiativen ihre Angebote vorstellten.

In Talkrunden diskutierten Fachleute über die Folgen der Globalisierung oder die Möglichkeiten, andere Menschen für den Glauben zu gewinnen. Prägendes Bild des Treffens war der gelbe Kirchentagsschal mit dem Motto der Veranstaltung.

Beim Abschluss-Gottesdienst lud der Kirchentagsbeauftragte der hannoverschen Landeskirche, Pastor Joachim Lau, die Teilnehmer zum 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 20. bis 24. Mai 2009 in Bremen ein. Zu dem Treffen unter dem Leitwort "Mensch, wo bist Du?" werden rund 100.000 Dauerteilnehmer in der Hansestadt erwartet.

Die Veranstalter bezeichneten den Ostfriesischen Kirchentag vor Journalisten als bundesweit größten regionalen Kirchentag. Der lutherische Landessuperintendent Detlef Klahr aus Aurich lobte das Engagement der lutherischen Christen aus dem Emsland, die sich in diesem Jahr zum ersten Mal daran beteiligten. Die Sprecherin der evangelisch-reformierten Kirchengemeinden in Ostfriesland, Hilke Klüver, sprach von einem fröhlichen Fest und einem guten Miteinander. Die ostfriesischen Protestanten feiern alle vier Jahre in einer anderen Stadt einen Kirchentag.


Internet: www.okt-2008.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b1923/05.07.08)
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