Bischof Weber verlangt Verbot organisierter Sterbehilfe

Nachricht 02. Juli 2008

Hannover/Braunschweig (epd). Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirchen in Niedersachsen, der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber, hat ein Verbot der organisierten Sterbehilfe gefordert. "Das ist kein Feld für Private", sagte Weber am Dienstag in Hannover in einem epd-Gespräch: "Wir sind in der gefährlichen Situation das Sterben ökonomisiert wird." Frei agierende Initiativen wollten sich dieses Feld zu eigen machen.

Weber begrüßte die Initiative von fünf Bundesländern, die Sterbehilfe zu verbieten. Auch Niedersachsen müsse sich daran beteiligen, verlangte er. Eine erste Gesetzesinitiative aus Niedersachsen zum Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe war Anfang 2006 am Widerspruch der FDP gescheitert. Hinter der aktuellen Initiative im Bundesrat stehen Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Thüringen und das Saarland.

Weber forderte rechtliche Schritte gegen den früheren Hamburger Justizsenator Roger Kusch, der nach eigenen Angaben eine 79-jährige Frau aus Würzburg bei ihrer Selbsttötung begleitet hat. "Es muss mit allen rechtsstaatlichen Mitteln geprüft werden, ob der Mann straffällig geworden ist", sagte der Bischof. Sterbehilfe dürfe nicht beliebig werden: "Man könnte dann am lebenden Objekt experimentieren, was durchsetzbar ist."

Weber nannte dies "fast faschistoid". Kuschs Vorstoß sei "ein skandalöser Vorgang, ein Tritt in jede die Menschenwürde achtende Gesellschaft". Der Bischof forderte zugleich Rechtssicherheit für Ärzte und Krankenschwestern, die täglich mit Sterbenden konfrontiert seien. So müsse die Geltung von Patientenverfügungen sauber geregelt sein.

Auch müssten Gemeindepflegestationen finanziell ausreichend ausgestattet sein, damit Schwestern genügend Zeit hätten, sich um Sterbende zu kümmern. "Es dürfte in diesem Land niemand einsam sterben müssen", sagte Weber. Der Staat müsse deutlich machen, dass ihm an schmerzlindernder palliativer Medizin gelegen ist. Dies müsse auch durch die Leistungen der Pflegeversicherung deutlich werden.

Weber befürwortete eine passive Sterbehilfe etwa durch das Abschalten lebensverlängernder Apparate. Dies müsse jedoch "ohne wirtschaftliche Hintergedanken" geschehen. Sensible Bereiche des Lebens wie Geburt, Krankheit oder Tod gehörten in die Fürsorge des Staates und sollten von der Gemeinschaft aller begleitet sein, sagte der Bischof. Der Anspruch, autonom über den eigenen Tod zu entscheiden, stehe der christlichen Auffassung entgegen, dass das Leben ein Geschenk sei, über das Menschen nicht verfügen dürften.


(epd Niedersachsen-Bremen/b1861/01.07.08)
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