Herzlichen Glückwunsch, liebe Frau Landesbischöfin, zum 50. Geburtstag! Wir gratulieren mit einer kleinen Bildergalerie

Nachricht 29. Mai 2008

111111111111Hannover (epd). Auch an ihrem 50. Geburtstag wird die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann an den 3. Juni 1999 zurückdenken. An diesem Tag wurde sie 41 Jahre alt und kandidierte als erste Frau für das Bischofsamt in Hannover. Zwei Tage später war die Sensation perfekt: Die Synode der größten evangelischen Landeskirche wählte Käßmann im dritten Wahlgang zu ihrer Bischöfin. "Ich will mich einmischen und bin für eine lebensfrohe, bejahende Kirche", sagte sie damals.



Diesem Motto ist die Tochter eines KfZ-Mechanikers treu geblieben. In den neun Jahren ihrer Amtszeit hat sie sich in der Landeskirche verwurzelt. "Niedersachsen ist längst meine Heimat geworden", sagt die gebürtige Hessin. Jede Woche steht sie mindestens einmal auf der Kanzel

-- im Computer sind 470 Predigten gespeichert, die Käßmann bisher als Bischöfin gehalten hat. Mehr als 50.000 Kilometer legt sie pro Jahr zurück.



"Ich schätze ihre unerschrockene Art, sich mit dem christlichen Glauben in die öffentliche Diskussion einzumischen und in den Medien präsent zu sein", sagt der geistliche Vizepräsident des hannoverschen Landeskirchenamtes, Arend de Vries. Unter den 100 deutschen Top-Frauen des Magazins "Cicero" ist die Bischöfin in diesem Jahr auf Platz neun.



Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, sagt: "Margot Käßmann überzeugt durch Präsenz, Verbindlichkeit, Freundlichkeit, Offenheit, Argumentationsstärke, Lebhaftigkeit und Glaubenskraft." Professor Huber lernte Käßmann schon als Theologie-Studentin kennen. Kurz darauf wurde die 25-jährige Vikarin als jüngstes Mitglied in den Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen gewählt.



Knapp 20 Jahre später verließ "Mrs. Ökumene", wie sie oft genannt wurde, den Weltkirchenrat "mit Trauer und Zorn". Auslöser war dessen Entscheidung, aus Rücksicht auf die orthodoxen Kirchen keine ökumenischen Gottesdienste mehr zu feiern, sondern nur noch gemeinsame Gebete zu sprechen.



Huber war 1994 auch an der Berufung Käßmanns zur Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Fulda beteiligt. Viele trauten der Mutter von vier kleinen Kindern dieses Amt damals nicht zu. Ihre Töchter hatten und haben für sie auch im größten Terminstress stets Priorität.



Die Scheidung, die Margot Käßmann nach 26-jähriger Ehe im Mai 2007 einreichte, und ihre Brustkrebs-Erkrankung ein knappes Jahr zuvor sind tiefe Einschnitte in ihrem Leben, in dem das Private auch immer öffentlich ist. In einer Talkshow wurde sie jetzt gefragt, wer sie bei ihrer Scheidung gestützt habe: "Vor allem meine Töchter, dann meine engsten Mitarbeiter und meine Landeskirche", antwortete Käßmann. Ehe und Familie bleiben für die wertkonservative Theologin wichtige Werte: "Aber Menschen können scheitern, das habe ich sehr bitter erfahren müssen." Es war ihr lange anzumerken, wie sehr dieser Schritt sie belastete.



Vor kurzem betonte Käßmann bei einer Klausurtagung ihrer Landeskirche, keine Pastorin und kein Pastor müsse behaupten, im Amt unfehlbar zu sein. Die Frage für sie laute jedoch: "Sehe ich meine Grenzen, stehe ich zu den Makeln in meinem Leben? Ich denke, unglaubwürdig werden wir dann, wenn wir versuchen zu vertuschen, was nicht gelingt."



Mit Offenheit und Geradlinigkeit will sich Käßmann, die seit fünf Jahren auch Mitglied des höchsten Leitungsgremiums der EKD, dem Rat, ist, auch weiter für die Benachteiligten in der Gesellschaft einsetzen. "Sie nimmt das Wächteramt der Kirche in sozialen und politischen Fragen wahr", sagt Vizepräsident de Vries.



Und so wünschen ihr sowohl Huber als auch de Vries neben Gesundheit, Gelassenheit und Zuversicht vor allem eines: Zeit. De Vries fügt noch das Abendgebet von Papst Johannes XXIII. hinzu: "Herr, nun musst du auf deine Kirche aufpassen, ich geh jetzt schlafen."



Von Ulrike Millhahn (epd)



(epd Niedersachsen-Bremen/b1323/26.05.08)

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Landesbischöfin sieht 50. Geburtstag gelassen entgegen



Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann sieht ihrem 50. Geburtstag an diesem Dienstag gelassen entgegen. "Die vergangenen beiden Jahre waren schwierig genug, erst die Krebserkrankung, dann die Scheidung. Deshalb finde ich es überhaupt nicht schlimm, 50 zu werden", sagte Käßmann in einem Interview der "Bild am Sonntag". Sie fühle sich in ihrer Kirche gut akzeptiert und ihr liege daran, etwas zu bewegen: "Ich bin glücklich in meinem Beruf und kann mir vorstellen, viele weitere Jahre Bischöfin zu sein."



Von ihrer Kirche wünsche sie sich, dass sie noch offener auf Menschen zugeht, sagte die evangelische Bischöfin. Hätte sie einen Geburtstagswunsch an die Politik frei, wäre dieser, dass viel mehr Geld in die Pflege alter Menschen fließe. Persönlich würde sich die Mutter von vier Töchtern im Alter zwischen 16 und 26 Jahren über ein Enkelkind freuen. Sie sei dankbar für ihren Humor, der ihr helfe, nach Tiefschlägen wieder fröhlich zu sein, sagte sie. "Das ist ein Geschenk. Das andere ist mein Gottvertrauen."



Margot Käßmann ist seit neun Jahren Bischöfin der mit mehr als drei Millionen Mitgliedern größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Sie war 26 Jahre lang mit dem Pfarrer Eckhard Käßmann (52) verheiratet, von dem sie sich im August 2007 scheiden ließ. Im Sommer 2006 erkrankte Margot Käßmann an Brustkrebs und nahm ihren Dienst zwei Monate nach ihrer Operation wieder auf. An ihrem Geburtstag werde sie zunächst den bischöflichen Garten für Gäste öffnen, und am Abend im kleinen, privaten Kreis feiern, sagte sie in der "Bild am Sonntag".



(epd Niedersachsen-Bremen/b1535/01.06.08)

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