Landeskirche aktiv gegen Kinderamut / Verbände verschenken Sets für Schulanfänger

Nachricht 27. Mai 2008

Landeskirche aktiv gegen Kinderamut

Gifhorn (epd)). Die hannoversche Landeskirche will Kinderarmut aktiv bekämpfen. Der Landessynode, die am 5. und 6. Juni in Hannover tagt, liege ein Antrag vor, Aktionen gegen Kinderarmut mit insgesamt einer Million Euro zu bezuschussen, kündigte Landesbischöfin Margot Käßmann am Dienstagabend in Gifhorn an.

Jedes sechste Kind in der Bundesrepublik werde unzureichend gefördert, kritisierte Käßmann. In der Regel treffe dies sozial schwache Familien. Es bilde sich eine Spirale aus mangelnder Bildung und Armut. Deshalb müsse eine engere Zusammenarbeit der evangelischen Kirchengemeinden mit ihren Kindertagesstätten angestrebt werden. Ältere Gemeindemitglieder könnten zum Beispiel als "Großeltern im Ehrenamt" in die Familien vermittelt werden, sagte die Bischöfin.

Die evangelische Kirche helfe bereits mit kostenloser Hausaufgabenhilfe, sagte Käßmann weiter. Sie vermittele religiöse Werte und setze sich dafür ein, dass Kinder Gutscheine beispielsweise zum Besuch von Musikschulen und Sportvereinen erhielten.


(epd Niedersachsen-Bremen/b1481/28.05.08)
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Verbände verschenken Sets für Schulanfänger

Hannover (epd). Als Zeichen gegen die Kinderarmut wollen Diakonie und Caritas in Hannover rund 300 "Starter-Sets" für Schulanfänger an bedürftige Kinder verschenken. "Der Schulanfang ist einer der Punkte, an dem Kinderarmut schmerzlich bewusst wird", sagte Diakoniepastor Hans-Martin Joost am Dienstag in Hannover. Kinder aus armen Familien fielen durch alte Schulranzen, falsches Arbeitsmaterial und getragene Kleidung auf.

Durch Gespräche mit Erzieherinnen der rund 100 evangelischen und katholischen Kindertagesstätten in der Landeshauptstadt wurden rund 300 bedürftige Kinder ermittelt. Sie sollen in der zweiten Juni-Hälfte Gutscheine im Wert von 100 Euro erhalten. Damit können sie im Sozialkaufhaus "fairkauf" in der Innenstadt die Starter-Sets mit Stiften, Kleber, Schere, Tuschkasten, Wachsmalern, Heften oder Linealen abholen. Das Kaufhaus wird von Diakonie, Caritas und der Einrichtung "Werkheim" betrieben.

Auf einen Ranzen und ein Federmäppchen haben die Initiatoren bewusst verzichtet, sagte Joost: "Das wird oft von Oma und Opa oder der Patentante zur Verfügung gestellt." Es handele sich um eine symbolische Aktion, betonte er. Die Sozialverbände könnten bei weitem nicht alle beschenken, die es nötig hätten. Hier sei die öffentliche Hand gefragt. Im August wollen Diakonie und Caritas mit dem örtlichen Abgeordneten des Bundestags und des Landtags darüber ins Gespräch kommen.

Die Landesregierung habe die Lehrmittelfreiheit abgeschafft und blockiere Schulreformen, kritisierte Joost. Die Bundesregierung sei für die Sozialgesetze verantwortlich. Die Projektkosten von 30.000 Euro werden durch Spenden und Sponsoren sowie aus kirchlichen Mitteln finanziert. (Spenden unter dem Stichwort "Schulstart" auf das Konto 922 811 bei der Sparda-Bank Hannover, BLZ 250 905 00).

Auch das Diakonische Werk der braunschweigischen Landeskirche will auf symbolische Weise gegen die finanzielle Not vieler Kinder protestieren. Das Werk kündigte an, 6.500 alte Schulranzen ins Bundessozialministerium nach Berlin zu schicken. Damit solle der Forderung nach Beihilfen für Familien Nachdruck verliehen werden, die vom Arbeitlosengeld II leben müssten. In Braunschweig sind nach Angaben der Diakonie 6.500 Kinder und Jugendliche auf staatliche Fürsorgeleistungen angewiesen. Darin sei jedoch kein Betrag für Bücher, Hefte und anderes Schulmaterial enthalten.


(epd Niedersachsen-Bremen/b1477/27.05.08)
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