Kirchen wollen bundesweit ökologisch und fair einkaufen

Nachricht 27. Mai 2008

Osnabrück (epd). Die beiden großen Kirchen in Deutschland wollen künftig ökologisch und fair einkaufen. Unter dem Titel "Zukunft einkaufen - glaubwürdig wirtschaften" starteten die Umweltbeauftragten der evangelischen und katholischen Kirchen in Osnabrück dazu ein bundesweites Projekt. Kirchliche Einrichtungen sollten beim Einkauf von Energie, Lebensmitteln, Büromaterialien und Fahrzeugen auf Nachhaltigkeit achten, sagte Projektleiter Pastor Klaus Breyer. An einer einjährigen Testphase seien zunächst zehn Regionen von Bremen bis Eichstätt in Bayern beteiligt.

Die Kirchen seien als zweitgrößter Arbeitgeber in Deutschland mit 1,2 Millionen Beschäftigten eine wirtschaftliche Macht, betonte der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Fritz Brickwedde: "Wir hoffen, so eine nachhaltige Qualifizierung der Einkäufer zu bewirken und langfristig auch dem privaten Konsum einen nachhaltigen Stempel aufzudrücken." Die Stiftung unterstützt das 800.000 Euro teure Projekt mit 400.000 Euro. Weitere Kooperationspartner sind unter anderem die Wirtschaftsgesellschaft der Kirchen in Deutschland, der Evangelische Entwicklungsdienst und das Hilfswerk "Brot für die Welt".

"Wir entscheiden mit, ob Regenwälder abgeholzt oder in Entwicklungsländern Schulen gebauten werden", sagte Breyer, Umweltbeauftragter der Evangelische Kirche von Westfalen. Krankenhäuser, Altenheime, Schulen, Gemeinden und Verwaltungen hätten ein Beschaffungsvolumen in Milliardenhöhe und eine große Nachfragemacht. Wenn die Kirche dabei Umwelt- und soziale Gesichtspunkte berücksichtige, könne sie damit nachhaltigen Produkten einen größeren Markt verschaffen.

Dabei sollen die 36 Einrichtungen in den Testregionen ihr Einkaufsverhalten analysieren und ihre professionellen Einkäufer schulen. Während des evangelischen Kirchentags 2009 in Bremen werden nach Angaben Breyers die Ergebnisse vorgestellt. Zugleich solle der Kirchentag der Start für die bundesweite Kampagne sein. Ab dann solle flächendeckend auf einen nachhaltigen Einkauf hingewirkt werden.

Zentrales Informationsmedium für die Kirchen ist das Internetportal www.zukunft-einkaufen.de auf der Plattform der Wirtschaftsgesellschaft. Dort könnten sich die Einrichtungen auch über Rahmenverträge mit der Wirtschaft informieren, die einen kostengünstigen Einkauf ermöglichten, sagte Breyer. Er könne sich vorstellen, dass Automobilhersteller wie VW ein eigenes, sehr sparsames "Kirchenauto" auf den Markt brächten, wenn es eine entsprechend gebündelte Nachfrage gebe. In den Kirchen würden jährlich 120.000 Fahrzeuge eingekauft.


(epd Niedersachsen-Bremen/b1346/20.05.08)
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