Landesbischöfin kritisiert britischen Embryonen-Erlass

Nachricht 21. Mai 2008

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die am Montagabend vom britischen Unterhaus beschlossene Ausweitung der Embryonen-Forschung scharf kritisiert. Großbritannien hatte mit dem Beschluss den Weg frei gemacht für die Forschung, die menschliche Embryonen und Eizellen von Tieren kombiniert. "Das ist eine Grenze, wo ich ganz klar sage: Nein. Eine Katastrophe, der Mensch macht sich zum Schöpfer", sagte die Bischöfin der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Mittwochsausgabe).

Das Gesetz erlaubt die Forschung an Chimären-Embryonen, bei denen in den Kern einer tierischen Eizelle humanes Erbgut eingepflanzt wurde. Die dabei erzeugten Embryonen sollen maximal zwei Wochen erhalten werden. Britischen Forschern war es im April erstmals gelungen, Chimären-Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Kühen zu erzeugen. In Deutschland und anderen EU-Ländern ist die Schaffung menschlich-tierischer Embryonen verboten.


(epd Niedersachsen-Bremen/b1364/21.05.08)
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Hannover/Berlin (epd). Die Entscheidung des britischen Parlaments sei falsch und "in höchstem Maße ethisch bedenklich", sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) am Mittwoch in Berlin. Hier sei eine ethische Grenze überschritten worden. Die Ministerin betonte, auch deutsche Forscher bezweifelten die "Sinnhaftigkeit" des Unternehmens. Für Deutschland sei eine solche Forschung "überhaupt kein Thema", stellte sie klar. In der EU müsse nun darauf geachtet werden, "dass vereinbarte Spielregeln weiterhin gelten" und Forschung mit Mischembryonen nicht mit EU-Geldern gefördert werde.

Der Vorsitzende der Bioethik-Kommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Gebhard Fürst, sagte im Kölner domradio, mit der Entscheidung Großbritanniens für die sogenannte Chimären-Forschung sei ein Tabu gefallen. So etwas habe es bisher in der Menschheitsgeschichte nicht gegeben. Er könne sich vorstellen, dass dieses Tabu vor dem Hintergrund einer absoluten Dominanz wirtschaftlicher Interessen und einer Forschungslobby gefallen sei, die vor nichts zurückschrecke, so Fürst.

Das britische Unterhaus hatte am Montagabend den Weg für die Herstellung von Mensch-Tier-Embryonen frei gemacht. Dabei wird menschliches Erbgut in eine tierische Eizelle eingeschleust. Aus den Embryonen können sogenannte Chimären-Stammzellen gewonnen werden, die einmal im Kampf gegen Leiden wie Alzheimer und Diabetes eingesetzt werden sollen. In Deutschland und anderen EU-Ländern ist die Schaffung menschlich-tierischer Embryonen verboten.


(epd Niedersachsen-Bremen/b1375/21.05.08)
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