60. Jahrestag der Gründung Israels ist Chance zur Neuorientierung und Erneuerung

Nachricht 18. Mai 2008

LWB-Generalsekretär ruft zum Dialog für einen gerechten Frieden im Heiligen Land auf

Genf (LWI). Anlässlich des 60. Jahrestags der Gründung Israels, der diese Woche begangen wurde, hat sich der Lutherische Weltbund (LWB) zu der Herausforderung und Verantwortung der lutherischen Gemeinschaft bekannt, weiter “an der Beseitigung jeglicher Spuren antisemitischer Einstellungen gegenüber unseren jüdischen Schwestern und Brüdern zu arbeiten. Wir tun dies, indem wir Begegnungen fördern, in denen wir einander als Menschen mit gemeinsamem Glaubenserbe kennenlernen“.

In seinem Schreiben an den israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres betonte LWB-Generalsekretär Pfr. Dr. Ishmael Noko am Donnerstag, 15. Mai, der LWB schließe sich all jenen an, die “das Überleben und Wohlergehen des jüdischen Volkes nach Jahrhunderten des Exils und der Katastrophe des Völkermords im Zweiten Weltkrieg feiern“. Der LWB bekenne sich, so der LWB-Generalsekretär, zur Last der Verantwortung, die die lutherischen Kirchen infolge ihrer antisemitischen und diskriminierenden Haltung gegenüber dem jüdischen Volk trügen.

Geburtstage seien eine Zeit des Nachdenkens, der Neuorientierung und der Erneuerung, erklärte Noko in seinem Schreiben an Peres, in dem er auch seine Sorge um die Beziehungen zwischen Israel und Palästina zum Ausdruck brachte. Er wies darauf hin, dass in dieser Woche auch des 60. Jahrestags der “Nakba“ des palästinensischen Volkes gedacht werde - der Zeit, als die Palästinenserinnen und Palästinenser ihrer Häuser und ihres Landes enteignet und Flüchtlinge wurden.

Der LWB-Generalsekretär stellte fest, dass die Beziehungen zwischen Israel und Palästina durch immer tiefere Spaltungen, Ausgrenzung, Hass und brutale Gewalt geprägt worden seien, die jedoch “für keine der beiden Gemeinschaften jemals dauerhaften Frieden sichern können“.

Friede, so Noko, könne nur durch einen Dialog erreicht werden, der niemanden ausgrenze. Er würdigte die Anstrengungen zur Überwindung der Hindernisse infolge fehlender Dialogbereitschaft im Nahen Osten, wie die des ehemaligen US-Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers Jimmy Carter. Die offizielle Ablehnung Israels, Gespräche mit der palästinensischen Hamas-Partei zu führen, und die Weigerung der Hamas, den Staat Israel anzuerkennen, führten, so der LWB-Generalsekretär, in ein und dieselbe Sackgasse. Solange es keinen Dialog und keine Begegnung gebe, würden Feindbilder und der Wunsch nach Auslöschung der “anderen“ weiter wachsen. “Aber die ‚anderen’ können nicht ausgelöscht werden. Sie werden immer da sein, und Friede kann es nur zusammen mit ihnen - oder gar nicht - geben“, warnte er.

Der LWB-Generalsekretär unterstrich auch die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft, Israelis sowie Palästinenser und Palästinenserinnen bei der Suche nach einem gerechten Frieden im Heiligen Land zu begleiten, zu unterstützen und zu ermutigen, “wie sie es bei der Geburt des Staates Israel getan hat“. Er appellierte an die globalen Religionsgemeinschaften, die im Heiligen Land vertreten sind, “Katalysatoren des Friedens zu sein, und nicht eine Gemeinschaft gegen die andere zu unterstützen, sondern sich für die Schaffung eines gerechten Friedens einzusetzen“.

Noko betonte, der Friede könne im Interesse aller Israelis und Palästinenser und Palästinenserinnen nicht länger aufgeschoben werden. Er rief beide Seiten zu gemeinsamen Anstrengungen auf und appellierte an die weltweite Gemeinschaft, sich dafür einzusetzen, “dass kein solcher Jahrestag mehr gefeiert wird, ohne dass im Heiligen Land gerechter Frieden herrscht“.

Der LWB ist im Heiligen Land durch seine Mitgliedskirche, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, und das Regionalprogramm der LWB-Abteilung für Weltdienst mit Sitz in Ost-Jerusalem vertreten.

Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegründet, zählt er inzwischen 140 Mitgliedskirchen, denen rund 68,3 Millionen Christinnen und Christen in 78 Ländern weltweit angehören.