Trinitatis - das vergessene Fest

Nachricht 15. Mai 2008

Stehen Weihnachten, Ostern oder selbst das Pfingstfest sozusagen im hellen Licht des Kirchenjahres und der öffentlichen Aufmerksamkeit, so führt das Trinitatis-Fest eher ein Schattendasein. Auf der anderen Seite hat dieses Fest, das immer am Sonntag nach Pfingsten begangen wird, für den evangelischen Kirchenkalender eine erhebliche Bedeutung: Alle Sonntage nach dem Trinitatis-Fest bis hin zum letzten Sonntag im Kirchenjahr, dem Ewigkeitssonntag, führen nämlich die Bezeichnung: „Trinitatis-Sonntage“ beziehungsweise „Sonntage nach Trinitatis“. Insgesamt sind das rund 25 Sonntage im Kirchenjahr.

Hinsichtlich des geschichtlichen Ursprung dieses Festes muss festgestellt werden, dass dieser weitgehend im Dunklen liegt. Erst für den Anfang des 14. Jahrhunderts lässt sich nachweisen, dass ein Trinitatis- Fest begangen wurde. So ist für das Jahr 1334 eine Anordnung Papst Johannes XXII. belegt, dass ein Trinitatisfest an einem der Sonntage nach Pfingsten gefeiert werden sollte. Im Spät-Mittelalter setzte es sich dann allgemein als Feier am ersten Sonntag nach Pfingsten durch.

Klarer als die geschichtliche Herkunft lässt sich der Inhalt dieses Festes umschreiben. Das Wort „Trinitatis“ leitet sich aus dem Lateinischen ab und heißt übersetzt: „Dreieinigkeit“ oder „Dreifaltigkeit“. Gemeint ist damit die Dreiheit der göttlichen Personen: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist in der Einheit des göttlichen Wesens. Die Dreiheit bezeichnet dabei die drei Wirkungsweisen Gottes: Vater = Schöpfer; Sohn = Erlöser; Heiliger Geist = Gottes persönliche Gegenwart.

Zum Dogma, zum verbindlichen Glaubenssatz also, wurde die Lehre von der Trinität auf den Konzilien zu Nicäa (325) und Konstantinopel (381) erhoben. Und an diesem dogmatischen, lehrhaft-abstrakten Charakter mag es wohl auch gelegen haben und liegen, dass das Trinitatis-Fest bis heute kaum im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert ist. Lediglich die Symbole für die Trinität wie etwa das Dreieck mit dem Auge Gottes darin oder auch drei sich einander berührende Figuren und Tiere (Hasen, Fische, Löwen) in einem Kreis dürften manchem von Abbildungen in Kirchen vertraut sein. Ähnliches gilt sicherlich für das Lamm = Sohn Gottes und die Taube = Heiliger Geist.

Jörg Buchna