Theologe fordert ethische Begleitforschung in Bioethik

Nachricht 14. Mai 2008

Hannover (epd). Der evangelische Theologe und Ethik-Experte Ralph Charbonnier hat in der Diskussion um Stammzellen und Embryonenschutz eine ethische Begleitforschung gefordert. Wenn öffentliche Gelder flössen, müsse ein Ethiker wie ein Philosoph oder Theologe an den Forschungen beteiligt werden, sagte er am Mittwoch in Hannover: "Die kleinen Forschungsschritte müssen ethisch beleuchtet werden." So könnten Fehlentwicklungen von vornherein vermieden werden. Es genüge nicht, wenn Ethiker nach dem Abschluss von Forschungen als "Grenzzieher" ins Spiel kämen.

Charbonnier ist seit April Superintendent in Burgdorf und war zuvor Studienleiter am Zentrum für Gesundheitsethik der hannoverschen Landeskirche. Vor rund 350 Pastorinnen und Pastoren des evangelischen Sprengels Hannover rief er dazu auf, die oft "starren Fronten" zwischen der medizinischen Forschung und der Ethik zu überwinden. Medizinische Eingriffe seien längst Teil des Lebens. Es gehe darum, sie ethisch verantwortlich auszuführen.

Der Medizin-Professor Ulrich Martin aus Hannover warnte davor, die ethisch umstrittene Forschung mit embryonalen Stammzellen von vornherein zu "verteufeln". "Embryonale Stammzellen können einfach Dinge, die adulte Stammzellen nicht können", sagte er. Aus adulten Stammzellen lasse sich Gewebe wie Haut oder Knochen nachzüchten, nicht aber ein Herzmuskel. Dafür vermehrten sie sich nicht genügend und seien nicht differenziert genug.

Die Forschung arbeite aber seit kurzem daran, geeignete Stammzellen auf andere Weise zu gewinnen. Dann entfielen die schwierigen Debatten um die embryonalen Stammzellen. Diese werden überzähligen Embryonen entnommen, die bei einer künstlichen Befruchtung anfallen. In Deutschland dürfen Wissenschaftler nur mit embryonalen Stammzellen arbeiten, die bis zum 1. Mai 2007 im Ausland erzeugt wurden.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1286/14.05.08)
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