Landesbischöfin erwartet ökumenischen Impuls vom Katholikentag

Nachricht 14. Mai 2008

Osnabrück (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann erwartet vom Katholikentag in Osnabrück einen deutlichen ökumenischen Impuls. "Es gibt bei uns in Niedersachsen eine fröhliche Selbstverständlichkeit des ökumenischen Miteinanders, das werden die Gäste spüren", sagte Käßmann in einem epd-Gespräch zum katholischen Christentreffen vom 21. bis 25. Mai. Die lutherische Bischöfin predigt beim zentralen ökumenischen Gottesdienst und nimmt an einer Diskussion zur Ökumene teil.

Der Katholikentag und der evangelische Kirchentag 2009 in Bremen führten zum Ökumenischen Kirchentag 2010 in München hin, sagte Käßmann: "Bei beiden Anlässen wird wahrnehmbar werden: Uns verbindet mehr als uns trennt." Die Bischöfin wandte sich gegen die Rede von einer ökumenischen "Eiszeit", die nach einem Papier des Vatikan zum Kirchenverständnis aufgekommen war. Verglichen mit der Situation vor hundert Jahren bestünden heute zahlreiche Gemeinsamkeiten. Längst gebe es eine "gelebte Ökumene" im Alltag.

Auch theologisch habe sich vieles entwickelt, sagte Käßmann und erinnerte unter anderem an die "Lima-Dokumente" von 1982 mit ihren gemeinsamen Formulierungen zu Abendmahl, Taufe und Amt. Das Verständnis von Kirche und Amt bleibe aber weiter trennend.

Die Bischöfin äußerte die Hoffnung, dass die Friedensfrage den Katholikentag bewegen werde. Osnabrück habe in der Friedensfrage "eine lange und gewichtige Tradition". In Osnabrück und Münster war 1648 der Westfälische Friede besiegelt worden, der den Dreißigjährigen Krieg beendete. Die ökumenische Bewegung sei in ihren Anfängen von der Friedensfrage geprägt worden, so Käßmann: Wenn Krieg Leben zerstöre, müsse der christliche Glaube aufbegehren.

Käßmann befürwortete zudem eine projektbezogene Zusammenarbeit der großen Kirchen, etwa bei der Trägerschaft von Krankenhäusern. "Manchmal können finanzielle Engpässe offensichtlich auch Kreativität freisetzen", sagte sie. Im Miteinander der Konfessionen sprach sie sich für das Modell der "versöhnten Verschiedenheit" aus: "Da mag es mal Spannungen in der Familie geben, das ist normal. Aber letzten Ende gehören wir zusammen."


(epd Niedersachsen-Bremen/b1282/14.05.08)
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