Landesbischöfin: Kinder in Armut bei Einschulung unterstützen

Nachricht 08. Mai 2008

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat dazu aufgerufen, die Kinderarmut zu bekämpfen. Eine Möglichkeit dazu sei, Kinder bei der Einschulung zu unterstützen. "Die Einschulung ist ein eklatanter Punkt, an dem die Armut von Schülern erfahren wird", sagte Käßmann am Mittwochabend vor dem evangelischen Stadtkirchentag in Hannover: "Die einen kommen in neuen Nikes, die anderen in alten Gummistiefeln." Die hannoversche Landeskirche bereite deshalb ein Projekt unter dem Motto "Schulranzen für alle" vor.

Die Landesbischöfin rechnete vor, dass eine Einschulung mit Schulranzen, Arbeitsmaterial sowie Schreibtisch, Stuhl und Leuchte rund 630 Euro koste. Erzieherinnen in Kindergärten berichteten immer wieder, wie verzagt Eltern seien, weil sie dieses Geld nicht aufbringen könnten. "Jedes Kind sollte im ersten Schuljahr mit einer angemessenen Grundausstattung starten können", sagte Käßmann. Die Kirche mit ihren 586 Kindergärten könne hier tätig werden, weil sie die Eltern kenne: "Wir können ohne Diskriminierung auf sie zugehen und ihnen helfen."

Bildung sei ein zentraler Punkt im Kampf gegen Armut, so die Bischöfin. Als zweiten Ansatzpunkt für Hilfsprojekte nannte sie das gemeinsame Mittagessen von Kindern in der Schule. Auch hier werde Armut deutlich: "Eine stehen für das Essen an, andere stehen draußen, weil sie es sich nicht leisten können." Käßmann schlug zudem ein System von Gutscheinen für die Musikschule oder für Sportvereine vor. Davon könnten Kinder mehr profitieren als von einem Betreuungsgeld von 150 Euro, wie es die CSU angeregt hatte.

Der hannoversche Diakoniepastor Hans-Martin Joost stellte den Delegierten des Stadtkirchentages das skandinavische Hilfsprojekt "Nightingale" vor. Dabei stehen Ehrenamtliche regelmäßig sozial benachteiligten Kindern zur Seite. Eine Arbeitsgruppe soll nun prüfen, ob ein solches Projekt unter dem Motto "Kindern Mut machen - gegen Kinderarmut" auch in Hannover ins Leben gerufen werden kann. Der Stadtkirchenverband will dafür 50.000 Euro im Jahr zur Verfügung stellen. "Das Projekt kann Kindern helfen, sich auf ihre eigenen Ressourcen zu besinnen", sagte Joost.


(epd Niedersachsen-Bremen/b1243/08.05.08)
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