Lebensberater sehen Eltern in Erziehungsnöten

Nachricht 05. Mai 2008

Bremerhaven (epd). Viele Eltern sind nach Beobachtungen von Experten im Evangelischen Beratungszentrum Bremerhaven mit der Kindererziehung überfordert und geraten an ihre Grenzen. Fragen nach dem richtigen Umgang mit Söhnen und Töchtern stünden in der Arbeit der Einrichtung an erster Stelle, sagte ihr Leiter Hans-Joachim Schramm. Bei Schulstress und anhaltend hoher Erwerbslosigkeit gehe gerade vielen Alleinerziehenden und Eltern in Patchwork-Familien "Kindererziehung nicht leicht von der Hand", erläuterte der Diplompsychologe und Gestalttherapeut.

Das Zentrum versuche Schlimmeres wie Verwahrlosung, Kriminalität oder eine Unterbringung im Heim zu verhindern, sagte Schramm. In der Einrichtung suchten im vergangenen Jahr 764 Menschen Hilfe. Ihnen stand ein sechsköpfiges Team mit knapp 2.000 Beratungsstunden zur Seite. Zwei Drittel der Ratsuchenden kamen den Angaben zufolge aus Bremerhaven, ein Drittel aus dem umliegenden Landkreis Cuxhaven.

Nach dem Tätigkeitsbericht für das zurückliegende Jahr wurde auch die Ehe- und Paarberatung oft konsultiert, die in dem Haus seit seiner Öffnung vor fast 35 Jahren angeboten wird. "Die Gespräche zeigen, wie hoch die Ansprüche an Ehe und Partnerschaft sind", fasste Schramm zusammen: "Die Beziehung soll individuelle Selbstverwirklichung ermöglichen und gleichzeitig ein Hort für Wärme und Geborgenheit sein, in dem alles auf Glück und Erfolg programmiert ist."

Durch überzogene Ansprüche seien Krisen vorprogrammiert, hieß es. Dadurch könnten aber auch eingefahrene Gleise verlassen und erstmals Themen angesprochen werden, die zuvor unter den Teppich gekehrt worden seien. "Der Mut, sich der Krisensituation zu stellen, kann für beide Partner als Chance verstanden werden, sich miteinander um einen neuen Aufbruch zu bemühen", sagte Schramm.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1142/29.04.08)
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