Rund 20.000 Gäste bei "Christival"-Abschlussfeier in Bremen

Nachricht 04. Mai 2008

Glaubensfest unter Polizeischutz - -
Rund 20.000 Gäste bei "Christival"-Abschlussfeier in Bremen

Von Dieter Sell (epd)

Bremen (epd). Der missionarische Jugendkongress "Christival" ist am Sonntag in Bremen mit einem rockigen Gottesdienst unter freiem Himmel vor rund 20.000 Gästen zu Ende gegangen. "Lebe erkennbar als Christ - in Wort und Tat", sagte Christival-Vorsitzender Roland Werner in seiner Predigt. Seit Mittwoch waren zu dem Treffen theologisch konservativer Christen unter dem Motto "Jesus bewegt" Jugendliche aus ganz Deutschland in die Hansestadt gekommen. Die ganze Zeit über kritisierten teilweise gewalttätige Gegner des Kongresses das Treffen als christlich-fundamentalistisch.

Etliche der mehr als 350 Einzelveranstaltungen liefen unter Polizeischutz. Ausgangspunkt des seit Monaten schwelenden Konfliktes waren zwei der insgesamt knapp 230 Seminare, die gegen Homosexualität und Abtreibung gerichtet waren. Kritiker warfen den Veranstaltern vor, sie diskriminierten homosexuelle Menschen und verunglimpften Frauen, die abtreiben wollten. Nach scharfem Protest der Grünen im Bundestag und auch auf Betreiben des Bundesfamilienministeriums, das 250.000 Euro zum Christival-Etat beisteuerte, wurde ein Kurs zum Thema Homosexualität gestrichen.

Doch die Kritik blieb - auch an der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Evangelikale Äußerungen wie "Schwulsein verfehlt Gottes Ziel" heizten die Kontroverse an. Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD) ging auf Distanz zu den Christival-Organisatoren. Einiges, was im Zusammenhang mit dem gestrichenen Seminar zum Thema Homosexualität gesagt worden sei, empfinde die Landesregierung als "unerträglich".

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, warnte hingegen davor, das Christival auf die Themen Homosexualität und Abtreibung zu reduzieren. Das sei eine unzulässige Verkürzung des Glaubensfestes, das die ganze Bandbreite christlicher Jugendarbeit berühre. Leitende evangelische Kirchenvertreter aus ganz Deutschland erklärten sich solidarisch.

Gegner aus der linken und schwul-lesbischen Szene versuchten hingegen mehrfach, Bühnen zu stürmen, blockierten den Kongress-Eingang, störten Vorträge und hackten die Christival-Homepage im Internet. Jugendliche Kongress-Teilnehmer wurden angepöbelt und mit Flaschen beworfen. Die Polizei nahm fast 40 Demonstranten in Gewahrsam, ein Beamter wurde leicht verletzt. "Es ist das erste Mal in der über 30-jährigen Geschichte des Christival, dass zum Schutz von Teilnehmern die Polizei eingreifen musste", sagte Christival-Sprecher Steve Volke.

Jugendliche wie der Bremer "Jesus-Freak" Michael Sommer waren traurig über die Angriffe. Doch die meisten frommen Teenager genossen den Kongress, der von rund 1.500 Ehrenamtlichen begleitet wurde. Sie bekamen wenig von den Konflikten mit. "Für mich ist das Christival so eine Art Lebenskraft-Tankstelle", sagte die 16-jährige Sonja aus Stuttgart.

Zu Party-Szenen kam es mitternachts an den Haltestellen, als jede Ansage von Tausenden Jugendlichen, die dort auf ihren Anschluss zu den Nachtquartieren warteten, mit La-Ola-Wellen beantwortet wurde. "So etwas haben unsere Fahrer noch nicht erlebt", sagte ein Vertreter der Bremer
Nahverkehrsbetriebe: "Wir sind begeistert von der Freundlichkeit der Christivaller."

Internet www.christival.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b2000/04.05.08)
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Schwulenverband kritisiert Gewalt gegen Christival

Bremen (epd). Die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) hat sich von den gewalttätigen Protesten gegen den in Bremen tagenden evangelikalen Jugendkongress Christival distanziert. Das Glaubensfest theologisch konservativer Jugendlicher dürfe nicht auf die Debatten um Homosexualität und Abtreibung reduziert werden, sagte Sprecher Reinhold Weicker (Paderborn) am Freitagabend vor Journalisten. "Wir befürworten das Christival, müssen aber bei den Glaubenaussagen zur Homosexualität widersprechen."

Mehr als 16.000 Jugendliche sind nach Bremen zum Christival gekommen, das am Sonntag mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel endet. Der Protest an dem Treffen entzündete sich schon vor Monaten an zwei von knapp 230 Seminaren: Während das Angebot mit dem Titel "Sex ist Gottes Idee -- Abtreibung auch?" an diesem Sonnabendnachmittag läuft, wurde der Kurs mit dem Titel "Homosexualität verstehen - Chance zur Veränderung"
aus dem Programm gestrichen.

Weicker kritisierte, die Veranstalter hätten das Seminar lediglich aufgrund der Proteste aus dem Programm genommen. Inhaltlich hätten sie sich nicht distanziert. Er rief Christival-Teilnehmer und Gegner zum Dialog auf. An der Basis in den Gemeinden seien die Menschen viel weiter. Noch vor zehn Jahren sei in vielen evangelikalen Gemeinden eine Frau als Predigerin undenkbar gewesen. Das habe sich längst geändert.

Weicker äußerte Verständnis für die seiner Ansicht nach falsche Auffassung evangelikaler Christen, Homosexualität könnte "heilbar" sein.
"Es gibt eine Minderheit homosexueller evangelikaler Christen, die den Wunsch haben, heterosexuell zu leben", sagte er. Auch der Christival-Vorsitzende Roland Werner habe früher einmal homosexuell gelebt.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hatte zuvor bei einem Besuch des Christivals betont, es sei ein Gebot des redlichen Umgangs miteinander, die Sexualität von Schwulen und Lesben zu akzeptieren. Doch warnte auch er davor, das Christival auf die Themen Homosexualität und Abtreibung zu reduzieren: "Hier geht es um die ganze Breite christlicher Jugendarbeit."

Die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche ist nach eigenen Angaben ein freier Zusammenschluss von Frauen und Männern, die sich kritisch und konstruktiv mit Homosexualität und Kirche auseinandersetzen.

Internet: www.huk.org

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"ProChrist"-Prediger spricht unter Polizeischutz

Bremen (epd). Unter Polizeischutz hat der Leiter der europaweiten Missionskampagne "ProChrist", Ulrich Parzany, Christen in Bremen dazu aufgefordert, öffentlich für ihren Glauben einzutreten. Am Rande des Jugendkongresses "Christival" sagte der evangelikale Prediger am Freitagabend in der evangelischen St. Martinikirche, selbst die Kirchen folgten dem allgemeinen Rückzug ins Private. Sie praktizierten einen "erstaunlichen Verzicht auf Verkündigung in der Öffentlichkeit".
Jugendliche Demonstranten störten Parzanys Vortrag, verschwanden aber, bevor die Polizei eintraf.

Zwei junge Frauen küssten sich neben der Kanzel, andere Demonstranten verteilten Zettel mit der Aufschrift "No Christival" in der Kirche. Ein gleichlautendes Bündnis linker und schwul-lesbischer Gruppen wirft den Organisatoren des bis Sonntag andauernden missionarischen Jugendkongresses vor, sie würden homosexuelle Menschen und abtreibungswillige Frauen diskriminieren. Gemeindepastor Olaf Latzel wies die Jugendlichen aus der Kirche und verständigte die Polizei. Daraufhin postierten sich Beamte vor der Kirchentür.

Kritiker hatten den Organisatoren des Christivals fundamentalistische Positionen vorgeworfen. Parzany sprach in diesem Zusammenhang von der "Fundamentalismus-Keule". Die Pointe der Reformation sei, dass die Bibel bis heute im wörtlichen Schriftsinn für Christen maßgeblich bleibe: "Das ist kein Sonderpfündlein irgendwelcher Sektierer." Nach der Heiligen Schrift sei Homosexualität Sünde. Wer abtreibe, töte ein ungeborenes Kind.

Parzany, der auch ehemaliger Generalsekretär des Christlichen Vereins Junger Menschen war, warnte vor einer Grundströmung in der Gesellschaft, nach der alles gleich gültig sei und nichts verbindlich wahr für alle.
Wer dem nicht wenigstens stillschweigend zustimme, gelte als Fundamentalist und müsse als Bedrohung für die Freiheit bekämpft werden.
Es werde aber immer Christen geben, die mit Zivilcourage für freie Verkündigung eintreten würden - "notfalls vor Gericht". Das Christival, zu dem 16.000 Jugendliche nach Bremen gekommen sind, endet an diesem Sonntag mit einem Gottesdienst.

Internet: www.christival.de

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Ratsvorsitzender Huber nimmt "Christival" in Schutz

Bremen (epd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hat den missionarischen Jugendkongress "Christival" in Bremen in Schutz genommen. Es sei falsch, das Treffen auf die Themen Homosexualität und Abtreibung zu reduzieren, sagte Huber bei einem Besuch auf dem Kongressgelände am Freitagabend.
"Hier geht es um die ganze Breite christlicher Jugendarbeit." Kritiker werfen den Organisatoren vor, sie diskriminierten Homosexuelle und abtreibungswillige Frauen.

Zum Christival, das am Sonntag mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel endet, sind mehr als 16.000 Jugendliche nach Bremen gekommen. Der Protest an dem Treffen entzündete sich schon vor Monaten an zwei von knapp 230 Seminaren: Ein Kurs mit dem Titel "Homosexualität verstehen - Chance zur Veränderung" wurde aus dem Programm gestrichen, ein zweites Seminar unter der Frage "Sex ist Gottes Idee - Abtreibung auch?" läuft am Sonnabend.

Huber sagte, es sei ein Gebot des redlichen Umgangs miteinander, die Sexualität von Schwulen und Lesben zu akzeptieren. Zur Abtreibungsfrage sagte er, die Kirche setze sich für den Schutz des ungeborenen Lebens ein. Allerdings könne das Kind nicht gegen die Mutter bewahrt werden.
Der Ratsvorsitzende sagte weiter, es sei falsch, theologisch konservative evangelikale Christen mit Fundamentalisten gleichzusetzen, wie dies Kritiker des Christivals getan hätten: "Das ist eine verkürzte Darstellung und widerspricht meiner Lebenserfahrung."

Ihm seien alle Orte wichtig, an denen junge Leute Erfahrungen mit dem Glauben und aktiver Jugendarbeit machen könnten. Huber begrüßte, dass der Kongress Menschen zum Glauben einlädt und warb für einen Missionsbegriff, "der andere Menschen nicht überrollt". Die Vielfalt der evangelischen Jugendarbeit könne ein Vorreiter auf diesem Weg sein. Die Kirche leiste auf diesem Gebiet gute Arbeit, damit Teenager auch jenseits des Konfirmanden-Alters "auf andere Jugendliche treffen, die ihnen auf dem richtigen Weg helfen".

Internet: www.christival.de

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