Burkhard Guntau: Von der EKD-Zentrale ins Landeskirchenamt / Eckhart von Vietinghoff: Mit der Ehrendoktorwürde in den Ruhestand

Nachricht 28. April 2008

Hannover (epd). Einen Einschnitt markiert der Wechsel allemal. Burkhard Guntau (60) wurde am Montag als neuer Präsident des Landeskirchenamtes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover eingeführt. Zugleich wurde Eckhart von Vietinghoff (63), der 24 Jahre an der Spitze des Kirchenamtes der mit drei Millionen Mitgliedern größten evangelischen Landeskirche stand, verabschiedet. Vietinghoff geht Ende April vorzeitig in den Ruhestand.

Sein Nachfolger Guntau war bisher Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Für die hannoversche Kirche sei es ein großer Gewinn, dass der leitende EKD-Jurist das Präsidentenamt übernimmt, sagte Landesbischöfin Margot Käßmann. Darin zeige sich auch die hohe Verbundenheit von Guntau mit seiner Heimatkirche. Seit 1991 ist der Jurist, der verheiratet ist und zwei erwachsene Söhne hat, Mitglied der hannoverschen Landessynode.

Wie Vietinghoff kam Guntau über den Staatsdienst zur Kirche. Beider Biografie illustriere, "dass und wie man als Jurist in staatlichen Aufgaben ein aufrechter Christ und, wenn die Kirche drängend ruft, den Schritt in den Dienst der Kirche fröhlich tun kann", sagte der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber. Der Rechtsanwalt Guntau ging 1977 in die niedersächsische Justizverwaltung - Richter am Amtsgericht Hannover, Vorsitzender Richter und das Justizministerium waren seine Stationen.

Nach der Wiedervereinigung wechselte Guntau zur Justizverwaltung des Landes Sachsen-Anhalt - zuletzt war er dort Vizepräsident des Oberverwaltungs- und des Landesverfassungsgerichts. Seit 1996 leitet der versierte Jurist, der auch dem Johanniter-Orden angehört, die Rechtsabteilung im EKD-Kirchenamt. Vor zwei Jahren rückte er zum Vizepräsidenten der EKD-Zentrale auf.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1126/28.04.08)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen


++++ +++ ++ +

Eckhart von Vietinghoff: Mit der Ehrendoktorwürde in den Ruhestand

Hannover (epd). "Dass ich sprachlos bin, ist mir selten passiert", bekannte Eckhart von Vietinghoff (63) freimütig zu Beginn seiner Abschiedsrede. Doch an diesem Montag hatte es ihm für einen Moment die Sprache verschlagen: Die Theologische Fakultät der Universität Göttingen verlieh dem Juristen und langjährigen Präsidenten des Landeskirchenamtes in Hannover überraschend die theologische Ehrendoktorwürde. Rund 600 Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft verabschiedeten Vietinghoff in einem Festgottesdienst in den Ruhestand. Zugleich wurde sein Nachfolger Burkhard Guntau (60) in sein neues Amt eingeführt.

Die Ehrendoktorwürde war das besondere Geschenk der Göttinger Hochschule. Sie würdigt damit Vietinghoffs langjährige Verdienste an der Spitze der Kirchenverwaltung und sein Engagement für das Verhältnis von Kirche und Staat. Denn Vietinghoff gilt als Vermittler und Vordenker in der evangelischen Kirche. Weit über die hannoversche Landeskirche hinaus waren sein Rat und seine kirchenpolitische Erfahrung gefragt, wenn Probleme unlösbar schienen.

"Raus gehen, sich dem Wind stellen, Neues versuchen, Mut zum Risiko und zum Irrtum", so brachte es der Jurist in einem Interview einmal selbst auf den Punkt. Seit 1984 leitete er das Landeskirchenamt der mit mehr als drei Millionen Mitgliedern größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Bischöfin Margot Käßmann sagt über ihn: "Den Mut des Präsidenten auch zu unpopulären Entscheidungen habe ich oft bewundert." Sie habe immer wieder erlebt, wie er eine Lösung "eingesprochen" habe oder auch spontan einen Ausweg fand.

So führte von Vietinghoff nach der deutschen Einheit die ost- und westdeutschen Kirchen in ihrem langen, erbitterten Streit um die Militärseelsorge zu einem Konsens. Unter seinem Vorsitz wurde das kirchliche Medien-Engagement im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik in Frankfurt reformiert.

Auch die komplexen Strukturen des Protestantismus waren für ihn kein Tabu. Er schlug vor, die konfessionellen Verbände unter dem Dach der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu vereinigen. Mit seinen "Unfrisierten Gedanken", wie er seine Schrift für mehr Profil der Kirche und eine stärkere EKD nannte, brachte er zunächst weite Teile des eigenen, lutherischen Lagers gegen sich auf. Letztlich stieß er aber auf große Zustimmung in den Landeskirchen.

"Sie haben unermüdlich einen Geist der Reform in die evangelische Kirche hineingetragen", sagte der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, in dem Festgottesdienst. Unter großem Beifall würdigte er die Verdienste Vietinghoffs: "Sie haben andere mit Leidenschaft, Energie und Ausdauer mitgenommen. Ein Aufbruch kam in Gang, und er wird weitergehen."

Auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) dankte Vietinghoff, der bis 1984 Oberstadtdirektor von Hildesheim war und zuvor im juristischen Staatsdienst tätig war. Der kirchliche Kurs, keine Schulden zu machen, sei den Politikern ein Vorbild. "Versuche, ihn in die Politik zu holen, sind allesamt gescheitert, was die Politik bedauert und die Kirche begrüßt hat", sagte Wulff.

Auch Vietinghoffs Nachfolger Burkhard Guntau, bisher Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes, hat sich als vorausschauender Verwaltungsmann und Vordenker struktureller Reformen in der Kirche hohen Respekt erworben. Wie Vietinghoff kam Guntau über den Staatsdienst zur Kirche. Der scheidende Präsident wünschte seinem Nachfolger "die gelassene Kraft, um die nötigen Reformen und Entscheidungen fördern und tragen zu können".

Michael Grau / Ulrike Millhahn
(epd Niedersachsen-Bremen/b1131/28.04.08)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

++++ +++ ++ +

Präsident von Vietinghoff feierlich verabschiedet

Hannover (epd). Repräsentanten aus Politik, Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft haben am Montag den langjährigen hannoverschen Landeskirchenamts-Präsidenten Eckhart von Vietinghoff (63) in den Ruhestand verabschiedet und seinen Nachfolger Burkhard Guntau (60) eingeführt. Bei dem Festgottesdienst in der Marktkirche in Hannover würdigte die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann die Verdienste Vietinghoffs und dankte ihm für sein Engagement: "Ich habe bewundert, wie Sie unsere Landeskirche geprägt haben und die Evangelische Kirche in Deutschland manches mal bewegen konnten", sagte sie vor rund 600 geladenen Gästen.

Vietinghoff stand seit 1984 an der Spitze des Landeskirchenamtes und gehörte auch zwölf Jahre lang dem Rat der EKD an. Er gilt als Vermittler und Vordenker in der evangelischen Kirche. Der Präsident habe auch im Kleinen immer ein Gehör und Gespür für die Menschen gehabt, hob Käßmann hervor: "Ich habe viel von Ihnen gelernt und all die Jahre sehr vertrauensvoll mit Ihnen zusammenarbeiten können."

Dabei sei deutlich, dass die Dienstgemeinschaft in der Kirche neben persönlicher Sympathie auf einer gemeinsamen Grundlage beruhe, sagte die Bischöfin: "Wir wollen unsere Talente in den Dienst der Sache Gottes stellen." Auch wenn es noch so viele Probleme gebe, werde die Kirche nicht verzagen, weil sie Menschlichkeit kenne und um die Präsenz Gottes mitten in der unerlösten Welt und der oft durchaus fehlbaren Kirche wisse.

Der in Göttingen geborene Eckhart von Vietinghoff war als promovierter Jurist zunächst im Staatsdienst tätig, unter anderem in der niedersächsischen Staatskanzlei. 1980 wurde er Oberstadtdirektor in Hildesheim. 1984 wechselte er zur Kirche. Die hannoversche Landeskirche ist mit mehr als drei Millionen Mitgliedern die größte evangelische Landeskirche in Deutschland.

Sein Nachfolger Burkhard Guntau wird die Kirchenverwaltung in Hannover vom 1. Mai an leiten. Der Hildesheimer studierte in Göttingen Jura und war zunächst Rechtsanwalt in Langenhagen bei Hannover. 1977 ging Guntau in den Justizdienst des Landes Niedersachsen. 1979 wurde er Richter am Amtsgericht Hannover und dort fünf Jahre später zum Vorsitzenden Richter ernannt. Nach neun Jahren im niedersächsischen Justizministerium wechselte er 1993 als Vizepräsident zum Landesverfassungsgericht nach Sachsen-Anhalt.

Drei Jahre später kehrte Guntau zurück nach Hannover. Seitdem leitet er im Kirchenamt der EKD die Rechtsabteilung. Vor zwei Jahren wurde er zum Vizepräsidenten ernannt. Außerdem war Guntau seit 1991 Mitglied der hannoverschen Landessynode.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1122/28.04.08)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen