Umstrittenes "Christival" erwartet 15.000 Dauergäste

Nachricht 24. April 2008

Bremen (epd). Mehr als 15.000 Dauerteilnehmer haben sich nach Angaben der Organisatoren zu dem umstrittenen "Christival" vom 30. April bis 4. Mai in Bremen angemeldet. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Berliner Bischof Wolfgang Huber, werde den Jugendkongress besuchen, sagte Christival-Vorsitzender Roland Werner am Donnerstag vor Journalisten. Er teile bei einem Gottesdienst am 2. Mai das Abendmahl aus. Kritiker werfen dem theologisch konservativ ausgerichteten Treffen vor, es sei frauenfeindlich und diskriminiere Homosexuelle.

Dagegen betonte Werner, dass es den Gästen aus ganz Deutschland während des missionarischen Jugendkongresses in erster Linie darauf ankomme, ihren eigenen Glauben zu stärken. Unterdessen haben schwul-lesbische Initiativen und Menschenrechts-Organisationen Demonstrationen gegen den Kongress angekündigt, der nach einer Premiere 1976 in Essen nun zum fünften Mal organisiert wird. So rechnen die Behörden parallel zum Open-Air-Eröffnungsgottesdienst am 30. April abends auf der Bremer Bürgerweide mit Protesten.

Das Christival war bundesweit aufgrund eines mittlerweile gestrichenen Seminares gegen Homosexualität in die Kritik geraten. Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) hatte in einer Kleinen Anfrage im Bundestag angeprangert, der Kurs sei zur "Heilung von Homosexualität" gedacht. Beck kritisierte auch, dass Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Schirmherrschaft übernommen hat. Ihr Ministerium fördert das Treffen mit 250.000 Euro. Das Gesamtbudget des Christivals beträgt den Angaben zufolge drei Millionen Euro.

Pro Familia und die Bremer Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe kritisieren zudem ein Seminar radikaler Lebensschützer des Heidelberger Vereins "Die Birke". Unter dem Titel "Sex ist Gottes Idee - Abtreibung auch?" wenden sich die Veranstalter gegen Schwangerschaftsabbrüche. "Die Birke spricht Frauen nicht nur das in Deutschland gesetzliche Recht auf Schwangerschaftsabbruch ab, sie diffamiert auch Frauen, die überhaupt nur einen Abbruch in Erwägung ziehen", sagte die Bremer Pro-Familia-Leiterin Annegret Siebe.

Das Seminar werde stattfinden, kündigte Werner an. Es entspreche im Stil und im Ziel dem geistlichen Anliegen des Christivals. Die EKD sowie leitende Theologen aus einigen Landeskirchen und kirchliche Organisationen hatten in den vergangenen Wochen den Kongress in Schutz genommen und Kritik zurückgewiesen. Zum Programm des Treffens gehören mehr als 300 Veranstaltungen an über 50 Orten in der Hansestadt. Die meisten Aktionen sind im Messezentrum, in Zelten vor den Hallen und in Kirchen geplant.

Internet: www.christival.de


(epd Niedersachsen-Bremen/b1089/24.04.08)
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