Weihbischof plädiert für Bau von Moscheen

Nachricht 16. April 2008

Hannover (epd). Der Hamburger katholische Weihbischof Hans-Jochen Jaschke hat sich für islamischen Religionsunterricht an Schulen und für den Bau von Moscheen ausgesprochen. "Das Grundrecht der Religionsfreiheit muss von Christen ganz hochgehalten werden", sagte er am Dienstagabend in Hannover bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Er habe als Christ ein großes Interesse daran, dass Muslime, die in Deutschland leben, ihren Glauben nicht verlieren, sagte Jaschke: "Wer seinen Glauben verliert, der ist ohne Wurzeln."

Der Glaube müsse jedoch mit Freiheit und dem Verzicht auf Gewalt verbunden sein. Die Christen hätten in ihrer Geschichte gelernt, dass Toleranz lebensnotwendig sei. "Wo Religion mit Gewalt verbunden ist, führt sie in die Irre", so der Weihbischof. Im Blick auf die christliche Ökumene plädierte er für eine "versöhnte Verschiedenheit" zwischen den Konfessionen. Das Christentum brauche viele Farben. Ein "Einheitsbrei" sei langweilig: "Es tut uns gut, die verschiedenen Schattierungen der christlichen Familie zu entdecken."

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Hermann Kues, warnte davor, Islam und Islamismus in einen Topf zu werfen: "Wir müssen anerkennen, dass es verschiedene Weltreligionen gibt und dass Menschen ihren Glauben leben", sagte er: "Vielleicht können wir viel von ihnen lernen." Zugleich müssten die Christen sprachfähig werden, ihre Tradition neu entdecken und Auskunft über ihren Glauben geben können. Kues zitierte den Dichter Hermann Hesse:
"Gestaltlose Nebel können sich nicht begegnen."

Der Geistliche Vizepräsident des evangelisch-lutherischen Landeskirchenamtes in Hannover, Arend de Vries, wandte sich gegen gesellschaftlichen Pessimismus: "Unsere Gesellschaft krankt an Vorbildern, aber wir haben Menschen, die in diese Rolle hineingehen", sagte er. Zwar seien viele Menschen selbstbezogen, aber andere setzten sich für andere ein. Allein in der hannoverschen Landeskirche gebe es rund 110.000 Ehrenamtliche. Die Gesellschaft verfüge über viele Ressourcen. "Wir müssen die Stärken stärken und Negatives aushalten", sagte de Vries.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0976/16.04.08)
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