Umfrage: Mütter bekommen die Schuld für Vernachlässigung

Nachricht 09. April 2008

Hamburg/Hannover (epd). Etwa jeder Dritte gibt nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage den Müttern allein die Schuld, wenn Kinder vernachlässigt werden. In bildungsfernen Schichten erhöht sich der Anteil auf über 40 Prozent. In kinderreichen Familien und bei Hochschulabsolventen sinkt er dagegen auf unter 20 Prozent. Deutlich ist ein Nord-Süd-Gefälle: In Hamburg und Schleswig-Holstein sind nur 15 Prozent dieser Meinung. Dort sagen fast 40 Prozent, dass die Anforderungen an die Frauen zu hoch sind und Familie, Freunde und Nachbarn nicht genügend Unterstützung anbieten.

In Auftrag gegeben wurde die Umfrage von "wellcome", einer gemeinnützigen Familienhilfe nach der Geburt. Das Projekt läuft mittlerweile an mehr als 60 Orten in Deutschland. Allein in Niedersachsen gibt es nach Auskunft des Sozialministeriums mehr als 20 Standorte. Die Initiative vermittelt über Fachstellen wie die Diakonie oder Familienbildungsstätten Ehrenamtliche, die Familien in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt eines Kindes unterstützen. In Niedersachsen ist Familienministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) Schirmherrin des Projektes.

Kinder seien weder reine Privatsache noch eine Angelegenheit des Staates, sagte "wellcome"-Gründerin Rose Volz-Schmidt aus Hamburg. "Wir alle sind aufgefordert, hinzuschauen." Damit Deutschland ein kinderfreundliches Land wird, seien Netzwerke und Angebote notwendig, um Mütter vor Überforderung zu schützen.

In der Emnid-Umfrage meinten 40 Prozent der Befragten, dass der Staat mehr tun müsse. Sie fordern mehr Hilfsangebote in Form von Zuschüssen, Beratung und konkreter Hilfe. Mehr Männer (29 Prozent) als Frauen (22 Prozent) gaben an, dass die Mütter unter hohen Anforderungen stünden, mit denen sie oft alleine ohne Hilfe von außen zurechtkommen müssten.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0915/09.04.08)
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