Landesbischöfin würdigt Reformationsfürstin Elisabeth

Nachricht 05. April 2008

Wennigsen/Reg. Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Reformationsfürstin Elisabeth von Calenberg-Göttingen (1510-1558) als Wegbereiterin des evangelischen Glaubens im südlichen Niedersachsen gewürdigt. "Sie war eine überzeugte Lutheranerin", sagte Käßmann am Sonntag in einem ZDF-Fernsehgottesdienst aus dem Kloster Wennigsen bei Hannover. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) betonte, dass Herzogin Elisabeth die Erhaltung der Klöster und Stifte in der Region zu verdanken sei.

Mit dem Festgottesdienst erinnerte die Klosterkammer Hannover an den 450. Todestag der Herzogin. Sie hatte 1542 die Reformation in ihrem Fürstentum eingeführt. Obwohl sie gewusst habe, dass ein Kloster kein Ort für ein besseres Leben sei, habe sie die Klöster und Damenstifte als Orte für Frauen bestehen lassen, sagte Käßmann laut Redemanuskript: "Ich finde es ungeheuer spannend, wie diese Klöster heute neu gefragt sind bei Menschen auf der Suche nach Orientierung im Leben. Die Spiritualität dieser Orte ist ein wunderbares Erbe."

Wulff bezeichnete laut Manuskript die staatliche Klosterkammer Hannover als "wichtigen und bundesweit einzigartigen Bestandteil der Landeskultur". Sie müsse unabhängig und leistungsfähig bleiben, um ihr großes Erbe auch in schwierigen Zeiten sichern zu können. "Die Klosterkammer gehört zu den Identität stiftenden Einrichtungen im Land", betonte der Ministerpräsident. Mit ihr habe sich ein Stück des weitsichtig gestalteten landesherrlichen Kirchenregiments des 16. Jahrhunderts bis in die Gegenwart gehalten. Der moderne Staat schütze heute das historische Erbe.

Laut Käßmann bestehen im Raum der hannoverschen Landeskirche 15 Frauenklöster und Damenstifte, die von der Klosterkammer verwaltet werden, dazu vier weitere Klöster. Diese könnten auch im 21. Jahrhundert den Glauben erfahrbar machen: "Dazu gibt es wunderbare Möglichkeiten von Schweigen und Meditation, Stille und Gebet bis hin zu den Pilgerwegen." Erschöpfte Seelen könnten dort Kraft tanken. Menschen, die ihren Lebensrhythmus verloren hätten, könnten dort die Gliederung des Tages durch das Gebet erfahren.

"Wir verdanken dieses Erbe unter anderem der Weitsicht einer klugen Frau", betonte Käßmann. Elisabeth von Calenberg-Göttingen eigne sich allerdings nicht zur Heldin. "So hat sie die Geliebte ihres Mannes mit Hexenprozessen verfolgt und immer wieder ihre politischen Interessen klar und energisch durchgesetzt", sagte die Bischöfin.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0878/05.04.08)
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Stichwort: Reformationsfürstin Elisabeth von Calenberg

Hannover (epd). Die Welfen-Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen (1510-1558) gilt als Wegbereiterin des evangelischen Glaubens im mittleren und südlichen Niedersachsen. Sie ließ durch den lutherischen Pfarrer Antonius Corvinus (1501-1553) aus Hessen 1542 im Fürstentum Calenberg-Göttingen die Reformation einführen. Damit legte sie den Grundstein für die heutige Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers.

Mit einer Klosterordnung gab sie außerdem den entscheidenden Impuls für die Erhaltung der Klöster in der Region und sorgte dafür, dass sie bis heute getrennt vom Staatsvermögen verwaltet werden. Aus dem damals gegründeten Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds entwickelte sich die Klosterkammer Hannover als staatliche, aber kirchennahe Behörde. Diese verwaltet heute unter anderem 17 Klöster und Stifte sowie 43 evangelisch und katholisch genutzte Kirchen und Dome.

Elisabeth wurde 1510 als Tochter des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg geboren. Als 15-Jährige heiratete sie 1525 den 40 Jahre älteren, verwitweten und kinderlosen Herzog Erich I. von Braunschweig-Lüneburg im Fürstentum Calenberg-Göttingen. Mit ihm hatte sie vier Kinder. Weil ihr Mann sich nach Jahren wieder seiner früheren Geliebten zugewandt hatte, ließ Elisabeth 1533 die Nebenbuhlerin als Hexe verfolgen.

Durch Besuche in Wittenberg lernte sie 1534 Martin Luther kennen. 1538 bekannte sie sich öffentlich zum lutherischen Glauben. Nach dem Tod ihres Mannes, der zeitlebens katholisch geblieben war, übernahm sie von 1540 bis 1545 die Regentschaft für ihren noch unmündigen Sohn Erich II. 1542 ernannte sie Antonius Corvinus zum Landessuperintendenten und veröffentlichte eine evangelische Kirchen- und Klosterordnung für Calenberg-Göttingen. 1546 heiratete sie den thüringischen Grafen Poppo von Henneberg. Am 25. Mai 1558 starb sie in Ilmenau in Thüringen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0870/05.04.08)
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