Kirche zieht klare Trennlinie zu Kreationismus

Nachricht 01. April 2008

Hannover (epd). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat im Streit über Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube für die Überwindung falscher Alternativen und mehr Sachlichkeit geworben. Die EKD zieht in einer am Dienstag veröffentlichten Studie klare Grenzen zum Kreationismus, der die wissenschaftliche Evolutionstheorie zur Entstehung der Welt in Frage stellt. Sie kritisiert darin auch einen neuen Atheismus, der den biblischen Schöpfungsglauben bekämpft. Beides seien "Irrwege".

In der Schule sollten die Evolutionstheorie und der Schöpfungsglauben thematisiert werden, wird empfohlen. Für den Kreationismus gebe es jedoch keinen Platz im evangelischen Religionsunterricht. In der aktuellen Debatte gingen viele Beiträge davon aus, "dass entweder die Evolutionstheorie dem Schöpfungsglauben oder der Schöpfungsglaube der Evolutionstheorie weichen muss", erklärt der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, im Vorwort. Dies werde jedoch weder den Erkenntnissen von Naturwissenschaft und Theologie noch dem evangelischen Glaubensverständnis gerecht.

Zu Forderungen, im Biologieunterricht auch den biblischen Schöpfungsglauben und im Religionsunterricht die Evolutionstheorie zu behandeln, betont der Berliner Bischof, eine Klärung des Verhältnisses beider Perspektiven sei geboten. Dazu seien am besten "interdisziplinäre Unterrichtsobjekte" geeignet. Damit könnten "biologische und theologische Perspektiven jeweils in ihrer Eigenbedeutung zur Geltung gebracht werden", so Huber.

In der neuen Debatte würden längst überwunden geglaubte Vorurteile gegen die Evolutionstheorie und die Biologie sowie gegen die Theologie und die Kirche vorgebracht, stellen die Autoren des EKD-Textes fest. Sie warnen vor einer Gleichsetzung des in den USA verbreiteten Kreationismus mit dem christlichen Schöpfungsglauben: "Der Kreationismus ist vielmehr eine Verkehrung des Glaubens an den Schöpfer in eine Form der Welterklärung, die letztlich dazu führt, dass das Bündnis von Glaube und Vernunft aufgekündigt wird."

Das aus dem Kreationismus entwickelte Konzept eines "Intelligenten Design", wonach die Welt das Produkt eines intelligenten Weltentwerfers sei, wird in dem EKD-Text als pseudowissenschaftlich bewertet. Vor den Prüfkriterien strenger Wissenschaft hätten solche Hypothesen keinen Bestand.

Dem wissenschaftlich begründeten Atheismus wird in der EKD-Stellungnahme vorgeworfen, diese Position ignoriere die Entwicklungen der wissenschaftlichen Theologie, die historisch-kritische Bibelauslegung sowie die ethische Kraft des Christentums. Ein aufgeklärter Gottesglaube brauche sich vor dem Stand der Naturwissenschaft nicht zu fürchten, sondern suche einen Dialog mit den Wissenschaften.

Für Theologie und Naturwissenschaft bestehe die größte Herausforderung darin, wie sie zu einem Leben in Humanität beitragen können, heißt es. Die Orientierungshilfe unter dem Titel "Weltentstehung, Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube in der Schule" wurde von den Theologieprofessoren Michael Beintker (Münster) und Friedrich Schweitzer (Tübingen) konzipiert.

Hinweis: EKD-Texte 94, "Weltentstehung, Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube in der Schule", ist zum Preis von 0,60 Euro zu beziehen
bei: Kirchenamt der EKD, Herrenhäuser Straße 12, 30419 Hannover, Fax:
0511/2796-457, E-Mail: versand@ekd.de .

(epd Niedersachsen-Bremen/b0818/01.04.08)
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Stichwort: Kreationismus und Intelligent Design

Hannover (epd). In sieben Tagen, so heißt es in der Bibel, hat Gott Himmel und Erde geschaffen. Die Kreationisten interpretieren die biblische Schöpfungsgeschichte wörtlich und lehnen die von Charles Darwin (1809-1882) begründete Evolutionstheorie ab. Vor allem in den USA gewinnen die Kreationisten (lateinisch: creare - erschaffen) immer mehr an Einfluss. Eine ihrer zentralen Forderungen ist die Verankerung der Schöpfungsgeschichte im Schulunterricht - nicht im Fach Religion, sondern in Biologie.

Ihr Hauptargument: Die verschiedenen Lebewesen sind so komplex, dass sie alleine mit der Evolutionstheorie nicht erklärbar sind. Am radikalsten legen die so genannten Junge-Erde-Kreationisten die Schöpfungsgeschichte aus. Sie glauben, die Erde sei erst 6.000 Jahre alt und in den biblischen sieben Tagen von Gott erschaffen worden. Nach den USA ist auch in Deutschland eine Debatte über Kreationismus aufgekommen.

Die akademische Variante des Kreationismus ist das "Intelligent Design"-Konzept, das nicht von Gott spricht, sondern von einer höheren Intelligenz, einem aktiv in die Schöpfung eingreifenden Designer. Vertreter dieses Konzeptes akzeptieren ein weitaus höheres Alter des Universums und die Anpassung der Lebewesen an ihre Umweltbedingungen. Der Kreationismus wurde von seinen Anhängern vor allem aus juristischen Gründen in "Intelligent Design" umbenannt, da US-Gerichte mehrfach religiöse Lehren an staatlichen Schulen untersagt hatten.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0821/01.04.08)
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