Babykörbchen: Gutachter entdecken DNA-Spuren der Mutter

Nachricht 28. März 2008

Hannover (epd). Im Fall des erfrorenen Säuglings, der Anfang Januar in Hannover gefunden wurde, haben Gutachter nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Griff der Klappe zum "Babykörbchen" DNA-Spuren der Mutter entdeckt. "Die Mutter muss versucht haben, die Klappe zu öffnen", sagte Staatsanwältin Kathrin Söfker am Freitag in Hannover dem epd. Dies habe ein Vergleich mit der DNA des Findelkindes ergeben. Die Gutachter hätten jedoch nicht mehr feststellen können, was dazu geführt habe, dass sich die Klappe verzogen habe und nur schwer öffnen ließ.

Die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann sagte als Schirmherrin des "Babykörbchens", für sie sei es eine belastende Vorstellung, dass die Mutter versucht haben könnte, das Körbchen zu öffnen: "Allerdings wissen wir nicht, was sich in dieser Nacht wirklich abgespielt hat." Der tote Neugeborene war am 2. Januar in einer Stofftasche und in ein Handtuch gehüllt auf dem Betonboden vor dem Krankenhaus Friederikenstift in unmittelbarer Nähe des "Babykörbchens" gefunden worden.

Der Junge, dessen Nabelschnur noch nicht abgetrennt war, starb laut Obduktionsbericht an Unterversorgung und Kälte. "Warum das Kind wenige Schritte von der besetzten Pforte an einer derart uneinsehbaren Stelle zurückgelassen wurde, statt es in einer Frostnacht in sichere Hände abzugeben, ist nicht zu verstehen", sagte Käßmann. Die Staatsanwaltschaft will sich nun darauf konzentrieren, die Mutter zu finden. Die Polizei habe bisher rund 400 Hinweise ausgewertet. Eine heiße Spur sei jedoch nicht darunter.

Die Klappe zum "Babykörbchen" kann sich laut Staatsanwältin Söfker durch mechanische Ursachen verzogen haben. Die kalten Temperaturen Anfang Januar schieden als Ursache aus: "Denkbar ist irgendeine Krafteinwirkung, in welcher Form auch immer." Dies sei nicht vorhersehbar gewesen und könne sich erst kurz vor dem Auftauchen der Mutter ereignet haben. Noch am 24. November 2007 habe sich die Klappe problemlos öffnen lassen. "Wir können dem Betreiber keinen Vorwurf machen", sagte Söfker unter Berufung auf ein zweites, ergänzendes Gutachten der DEKRA.

Das "Babykörbchen" ist Teil des Projektes "Mirjam - ein Netzwerk für das Leben" für Mütter in Not. Es wurde im Jahr 2001 von Bischöfin Käßmann und dem Diakonischen Werk gegründet. Die Initiatoren wollen eine vollständig neue Klappe einbauen lassen, sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind. Hinter der Klappe befindet sich ein Wärmebett, in das Säuglinge hineingelegt werden können. Neben dem "Babykörbchen" gibt es auch ein Notruf-Telefon für schwangere Frauen. Unter der Nummer 0800/60 500 40 werden die Anruferinnen rund um die Uhr beraten.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0785/28.03.08)
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