Führungsamt mit Laptop und Glaubensregeln

Nachricht 26. März 2008

Freifrau von der Goltz wird in Lüneburg als Äbtissin eingeführt

Von Karen Miether (epd)

Lüneburg (epd). Auf der Klingel steht hinter ihrem Namen schon "Äbtissin". Die Wohnung am Ende des Kreuzgangs im Kloster Lüne in Lüneburg hat Freifrau Reinhild von der Goltz längst bezogen. Auf dem Tisch ist der Laptop aufgeklappt. Nebenan liegt ein Buch mit Regeln des Heiligen Benedikt. Von der Goltz spricht von "einem Ort voller Glaubenstradition", wenn sie das Haus mit seiner mehr als 800-jährigen Geschichte beschreibt und nennt es zugleich "ein wirkliches Unternehmen". Am 29. März wird sie als geistliche und wirtschaftliche Leiterin des evangelischen Klosters eingeführt.

Seit 1172 leben in dem ehemals benediktinischen Nonnenkloster Lüne Frauengemeinschaften. Nach der Reformation wurde es in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Im Zuge der Reformation hatte der Landesherr die Güter vieler Klöster eingezogen. Dafür sorgte er fortan für ihren Unterhalt. Die sechs Lüneburger Klöster sind heute selbstständige Körperschaften des öffentlichen Rechtes. Die Aufgaben des Staates hat die Klosterkammer Hannover als niedersächsische Landesbehörde übernommen.

So ist auch die Einführung der Äbtissin Gottesdienst und Staatsakt zugleich. Ihr Gelöbnis spricht sie vor der Landeskommissarin für die Lüneburger Klöster, der Präsidentin der Klosterkammer, Sigrid Maier-Knapp-Herbst. Eingesegnet wird von der Goltz vom Lüneburger evangelischen Landessuperintendenten Hans-Hermann Jantzen.

Heute bietet das Kloster nach Ansicht seiner Bewohnerinnen auch eine moderne Lebensform. Wie Reinhild von der Goltz sind die anderen Konventsdamen und drei Anwärterinnen für das Klosterleben Frauen, die sich bewusst für diesen Schritt entschieden haben. Die Äbtissin ist 59 Jahre alt und war unter anderem in der landwirtschaftlichen Unternehmensberatung tätig. Sie ist Witwe und hat vier Kinder. "Du hast zu Weihnachten bekommen, dass du im Kloster wohnen darfst", hat einer ihrer sieben Enkel gesagt.

Reinhild von der Goltz war mit dem Umfeld ihrer neuen Aufgabe bereits vertraut, bevor sie im September zur Äbtissin gewählt wurde. Sie wohnte in Wohlenrode bei Celle und hat Touristen durch das nahe gelegene Kloster Wienhausen geführt, in dem wie in Lüne eine evangelische Frauengemeinschaft lebt. Das Kloster Huysburg bei Halberstadt gehörte einst der Familie der geborenen "Freiin von dem Knesebeck-Milendonck". Heute hält sie Kontakt zu den Benediktinermönchen, die dort ein Gästehaus betreiben.

Der ehemalige Prior der katholischen Huysburg, Pater Athanasius Polag, hat ihr das Buch mit den Regeln des heiligen Benedikt geschenkt. "Für eine Führungsaufgabe wie das Amt einer Äbtissin gibt Benedikt gute Ratschläge", sagt sie. "Hören ist eine Disziplin des Herzens", sei einer davon. Für das Zusammenleben sei Aufmerksamkeit für die anderen wichtig. "Gemeinsam mit dem Konvent will ich Ideen für die Zukunft entwickeln und sie mit der Vergangenheit in Einklang bringen", sagt die künftige Äbtissin.

Im Kloster mit seinen Kunstschätzen und dem Teppichmuseum heißt das für sie, Menschen den christlichen Glauben nahe zu bringen. In den Mauern sei viel von jahrhundertelang gelebter Frömmigkeit zu spüren. Dass neben dem Gefühl für Traditionen auch Organisationstalent gefragt ist, hat von der Goltz in den ersten Monaten in Lüne schon erfahren: zum Beispiel, als für die von der EU geförderte Neugestaltung des Gartens Blumenzwiebeln bestellt werden konnten: "Dabei durften es gleich 10.000 Stück sein."

(epd Niedersachsen-Bremen/b0726/26.03.08)
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