Landesbischöfin: "Dignitas" betreibt Geschäfte mit dem Tod

Nachricht 21. März 2008

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die jüngsten Sterbehilfefälle mit Helium-Gas in der Schweiz scharf kritisiert. "Die Vorstellung, dass ein Mensch unter einer Maske an Gas langsam erstickt, während ein anderer daneben steht und nicht eingreift, finde ich grauenvoll", sagte Käßmann am Donnerstag dem epd. Sie warf der Sterbehilfeorganisation "Dignitas" Geschäftemacherei mit dem Tod vor.

Am Dienstag waren in der Schweiz vier Fälle bekannt geworden, bei denen "Dignitas" Menschen mit der so genannten Helium-Methode die Selbsttötung ermöglichte. Dabei stülpen sich die Betroffenen eine Maske mit einem Plastikbeutel über den Kopf. Das Edelgas Helium in dem Beutel verdrängt den Sauerstoff und führt so den Tod herbei.

"Dignitas"-Gründer und Geschäftsführer Ludwig A. Minelli (Zürich) wies die Kritik von sich. "Die Schweizer Behörden und Kreise, die behaupten, Leben schützen zu wollen, haben die Helium-Methode bekannt gemacht und damit eine schwere Verantwortung auf sich geladen", sagte er. Dies kann nach Ansicht des 75-jährigen Juristen rasch einen erheblichen Anstieg von Suiziden zur Folge haben.

Auch der Geschäftsführer des deutschen Sterbehilfevereins "Dignitate" mit Sitz in Hannover, Uwe Christian Arnold, kritisierte die Schweizer Behörden. Bislang habe ein Antrag bei den Behörden und ein einmaliger Arztbesuch genügt, um das Schmerzmittel Natriumpentobarbital verschrieben zu bekommen. Dieses Mittel sei von "Dignitas" bislang verwendet worden. Seit Jahresbeginn müssten Sterbewillige in der Schweiz mindestens zweimal binnen drei Tagen einen Arzt aufsuchen. "Das ist für einen schwerstkranken Menschen eine unzumutbare Hürde und zwingt zu anderen Methoden", sagte Arnold.

Der Oberarzt Detlef Günther vom Gerichtsmedizinischen Institut in Hannover sagte, das Gas selbst sei ungiftig und werde in Luftballons und Zeppelinen verwendet. Im Chemieunterricht inhalierten Schüler das geruch- und geschmacklose Helium, um eine "Micky-Maus-Stimme" zu bekommen. "Wird es jedoch statt normaler Atemluft eingeatmet, verdrängt es den lebenswichtigen Sauerstoff im Blut", erläuterte der Mediziner. Der Sauerstoffmangel führe zur Bewusstlosigkeit und einer Hirnschwellung, die auf das Atemzentrum drücke. Am Ende stehe der Tod durch Ersticken.

Nach dem Hirntod könne der Kreislauf mit dem schlagenden Herzen noch einige Zeit aktiv sein, betonte Günther. Die Schweizer Staatsanwaltschaft berichtet von einem Video, worauf in einem Fall der Todeskampf fast eine Stunde gedauert habe.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0729/20.03.08)
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