Katholikentag: Erneute Absagen jüdischer Repräsentanten

Nachricht 20. März 2008

Osnabrück/Lübeck/Frankfurt (epd). Im Streit über das Karfreitagsgebet zur Bekehrung der Juden wollen zwei weitere jüdische Repräsentanten ihre Teilnahme am Katholikentag absagen. Er werde nicht zum Laientreffen vom 21. bis 25. Mai nach Osnabrück fahren, sagte der Oldenburger Rabbiner Daniel Alter am Montag dem epd. Der Lübecker Psychologe Rolf Verleger betonte, er wolle mit seiner Absage ein Zeichen setzen. Er ist Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland und war vom "Internationalen Versöhnungsbund" anlässlich des Katholikentags eingeladen worden.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland und die Deutsche Rabbinerkonferenz haben mittlerweile in einer Stellungnahme das Karfreitagsgebet kritisiert. Sie lehnten katholische Fürbitten ab, "in denen indirekt zur Judenmissionierung aufgefordert wird". In dem von Papst Benedikt XVI. in neuer Form zugelassenen Bittgebet zum Karfreitag wird zu einer "Erleuchtung" und "Rettung" der Juden durch den christlichen Gott aufgerufen. Die Fürbitte sei eine "Respektlosigkeit und Missachtung gegenüber Juden", sagte der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann. Der Papst müsse sie "möglichst schnell, glaubwürdig und total" zurücknehmen.

Zuerst hatte der Repräsentant der Weltunion für progressives Judentum, Rabbiner Walter Homolka, Ende Februar seine Mitwirkung am Katholikentag abgesagt. Das Karfreitagsgebet zur Bekehrung der Juden sei nach der Schuld, die die katholische Kirche zuletzt im Nationalsozialismus auf sich geladen habe, "völlig unangemessen" und müsse "aufs Schärfste zurückgewiesen werden", hatte Homolka argumentiert. Auch der jüdische Sozialwissenschaftler Micha Brumlik hatte seine Zusage zum Katholikentag unter Hinweis auf den "antijudaistischen" Charakter der Karfreitagsfürbitte zurückgezogen.

Der Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, Henry Brandt, nannte die vom Papst abgesegnete Formulierung "reaktionär". Dennoch werde er am Katholikentag teilnehmen. Gespräche seien seiner Ansicht nach gerade jetzt notwendig. Der Sprecher des Katholikentags, Theodor Bolzenius hatte die Absagen mit dem Hinweis auf eine "ausgelassene Chance" bedauert. Der Katholikentag sei auch ein Forum, um bestehende Probleme zu diskutieren.


(epd Niedersachsen-Bremen/b0700/17.03.08)
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