Bischof Weber für Lehrfach Islamische Religion an Schulen

Nachricht 15. März 2008

Braunschweig (epd). Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber hat die Forderungen nach einem islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen begrüßt. Ein solcher Unterricht in deutscher Sprache sei "zulässig und geboten", sagte Weber am Freitag dem epd. Er könne "zum Integrationsinstrument werden, weil er muslimischen Kinder zeigt, dass ihre Religion einen anerkannten Platz in dieser Gesellschaft findet". Weber ist auch Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte sich bei der dritten Deutschen Islamkonferenz am Donnerstag in Berlin dafür ausgesprochen, ein solches Fach an öffentlichen Schulen einzuführen.
Weber sagte, das Fach könne zu einem "Ort der Aufklärung" werden, wenn es Wege zum friedlichen Zusammenleben zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen bahne. Die Schule sei der wichtigste Ort der Begegnung zwischen Kulturen und Religionen in der Gesellschaft.

Voraussetzung für einen islamischen Religionsunterricht sei allerdings, dass es eine für alle Muslime sprechende Organisation als Ansprechpartner für den Staat gebe. Dieses Problem sei noch nicht gelöst. Auch müsse die Mitgliedschaft muslimischer Schüler in einer religiösen Organisation feststellbar sein. Als Übergangslösung schlug der Bischof einen religionsbezogenen Unterricht ohne Pflichtcharakter vor. Dabei müsse besonderes Gewicht auf die Darstellung des Christentums und des Judentums gelegt werden.

Umgekehrt müssten auch christliche Lehrbücher auf ihre Darstellung des Islam hin geprüft werden, sagte Weber. Klärungsbedarf bestehe bei Themen, die in Spannung zu den in Deutschland geltenden Verfassungsprinzipien und Grundrechten stünden. Als Beispiele dafür nannte Weber die Scharia, den "Heiligen Krieg" und das Verhältnis von Mann und Frau. Der Islam müsse "im Licht der modernen Wirklichkeit" interpretiert werden können. Textkritische Arbeit am Koran müsse möglich sein.

"Es geht nicht nur darum, muslimische Identität zu bewahren, sondern im historischen Prozess eine Neuorientierung des Islam in Europa weiterzuentwickeln", erläuterte der Bischof. In Niedersachsen läuft bereits seit August 2003 ein Schulversuch zum islamischen Religionsunterricht als ordentlichem Lehrfach an inzwischen 26 Grundschulen. Daran nehmen derzeit rund 1.400 Schülerinnen und Schüler teil.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0690/14.03.08)

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