Vatikan: Spekulation um Rehabilitierung Luthers haltlos

Nachricht 13. März 2008

Rom/Wien/Köln (idea). Der Vatikan hat Spekulationen, wonach der Papst noch in diesem Jahr den Reformator Martin Luther (1483-1546) rehabilitieren werde, als „haltlos“ bezeichnet. Das habe Vatikan-Sprecher Federico Lombardi der Mailänder Zeitung Corriere della Sera gesagt, berichtet die österreichische katholische Nachrichtenagentur Kathpress (Wien).

Der Rom-Korrespondent der Londoner Zeitung The Times, Richard Owen, hatte am 6. März unter Berufung auf Vatikan-Quellen mitgeteilt, Papst Benedikt XVI. werde im September erklären, dass Luther, der von Papst Leo X. (1475-1521) im Jahr 1520 exkommuniziert wurde, kein Irrlehrer gewesen sei. Er habe die Kirche nicht spalten, sondern von korrupten Praktiken reinigen wollen. Der Papst werde seine Sicht Luthers im Sommer bei einem jährlichen theologischen Seminar mit rund 40 Theologen, dem sogenannten Ratzinger-Schülerkreis, in der Residenz Castel Gandolfo diskutieren.

Owen führte auch den Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, an. Dieser trete dafür ein, ein positiveres Bild von Luther zu gewinnen: „Wir können viel von Luther lernen, beginnend mit der Bedeutung, die er dem Wort Gottes zumaß.“ Dessen ungeachtet bestünden aber weiterhin klare Unterschiede zur katholischen Lehre fort, betonte Kasper. Luther hatte das Papsttum herausgefordert, indem er in seinen 95 Thesen von 1517 die Ablasspraxis scharf kritisierte und die Bibel als einzige Quelle christlicher Autorität in den Mittelpunkt stellte.

Der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel), hatte es auf idea-Anfrage „vorbehaltlos“ begrüßt, dass sich der Ratzinger-Schülerkreis intensiv mit dem Reformator befassen wolle. Eine „Rehabilitation“ Luthers sei kirchenrechtlich problematisch, weil eine Exkommunizierung an eine Person gebunden und Luther tot sei. Insgesamt bewertete Weber die Nachricht jedoch als „interessantes Signal“. Freilich habe es Gerüchte über eine Neubewertung Luthers unter anderem bereits 1996 im Zusammenhang mit dem letzten Deutschlandbesuch von Papst Johannes Paul II. (1920-2005) gegeben.

Stefan Kempes von Radio Vatikan erklärte gegenüber dem Blatt „Christ im Dialog – Magazin für ökumenisch engagierte Christinnen und Christen“ (Köln), die Times habe zwar kein Gerücht in die Welt gesetzt. Es sei aber auch nicht mit einer Erklärung des Papstes zu rechnen. Vielmehr werde sich der „Schülerkreis“– ein Doktorandenzirkel des ehemaligen Tübinger Theologieprofessors Joseph Ratzinger – mit dem Thema „Luther und Rechtfertigungslehre“ beschäftigen. Der Schülerkreis sei nicht Teil des Vatikans; der Papst könne dort aber in seiner Funktion als Professor wissenschaftliche Arbeiten veröffentlichen.

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