"Unechte" Geschichten? (Ostergruß) +++ Gründonnerstag +++ Karfreitag +++ Osterfest

Nachricht 13. März 2008

„Unechte“ Geschichten? (Ostergruß)
Gründonnerstag
Karfreitag
Osterfest


Liebe Leserinnen und Leser,

wir wünschen Ihnen Ruhe und Besinnung in der Karwoche. Unsere Betrachtungen zu Gründonnerstag, Karfreitag und zum Osterfest mögen Sie begleiten in diesen Tagen auf Ostern hin. Dazu gehören auch Erfahrungen mit „unechten“ und „echten“ Geschichten.

Ihre Informations- und Pressestelle mit Internetarbeit

„Unechte“ Geschichten? - Ein Ostergruß von Arend de Vries:

„Aber der Jesus war doch tot“, sagte der kleine Marc zu mir, als wir über die Auferstehung sprachen. Marc war sechs Jahre alt und er hatte tief mitempfunden, als wir im Kindergottesdienst über das Leiden und Sterben Jesu gesprochen hatten. Er konnte das Wunder von Ostern noch gar nicht begreifen, denn es überstieg sein Vorstellungsvermögen, dass einer, der gestorben und begraben war, nun seinen Freundinnen und Freunden begegnete. „Ist diese Geschichte von Ostern denn gar nicht echt?“, fragte er. Marc unterschied zwischen echten und unechten Geschichten. Nicht dass ihm „unechte“ Geschichten nicht gefallen hätten. Er wusste, dass Märchen und auch Filme im Fernsehen „unechte“ Geschichten waren, und trotzdem mochte er sie. Aber es waren eben „unechte“ Geschichten.

Sind die Berichte von der Auferstehung Jesu „unechte“ Geschichten, wie Marc sagen würde?

Von Jugendlichen höre ich immer wieder, dass es darauf ankommt „echt“ zu sein. Sie bewerten die Glaubwürdigkeit von Erwachsenen, besonders auch von Menschen in der Kirche daran, ob sie „echt“ sind. In der Jugendforschung heißt es, dass der Authentizität von Repräsentantinnen und Repräsentanten einer Institution eine hohe Bedeutung zugemessen wird. Sind sie „echt“, authentisch in dem, was sie sagen und was sie leben? Das ist für viele junge Menschen die entscheidende Frage. Wenn dem so ist, dann sind Jugendliche bereit sich auf vieles einzulassen, auch auf die Fragen des Glaubens und auf Schritte im Glauben.

Für mich sind die Ostergeschichten „echte“ Geschichten, weil sie von Erfahrungen berichten, die Menschen gemacht haben. Es waren Menschen, die mit Jesus gute Erfahrungen gemacht hatten und dann zutiefst enttäuscht waren, als sie erlebten, dass der gute Mensch Jesus, der ihnen neue Wege zu Gott gezeigt hatte, auf schändliche Art und Weise hingerichtet wurde, obwohl er unschuldig war. In dieser Situation, als all ihre Hoffnungen zerbrochen waren, als sie keine Perspektive, keinen Durchblick mehr hatten, da begegnet ihnen der Gestorbene und Begrabene – und sie werden gewiss, dass ER lebt, sie haben es er–lebt.

Solche Geschichten sind für mich „echt“, denn sie haben mit Leben zu tun, mit Erleben. Ich finde mich im Erleben dieser Menschen wieder, denn sie spiegeln auch mein Erleben, wenn sich in Ausweglosigkeit plötzlich neue Türen öffnen, wenn in Dunkelheit plötzlich ein Licht aufleuchtet Weil ich mich in aller Unzulänglichkeit von Gott angenommen weiß, bin ich gewiss: ER lebt Weil das manchmal so unglaublich ist, frage ich nicht mehr danach, ob das historisch beweisbar und nachprüfbar ist Längst nicht alles, was ich erlebe, ist beweisbar und nachprüfbar. Aber ich weiß, dass es „echte“ Geschichten sind, denn sie sind erlebt und wir erleben sie heute.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gesegnete, erlebnisreiche Ostertage
Arend de Vries

Geistlicher Vizepräsident im Landeskirchenamt Hannover


++++ +++ ++ +

Gründonnerstag

Der Tag vor dem Karfreitag wird in der Kirche als der Tag der Einsetzung des Abendmahls durch Jesus begangen. In der Bibel wird erzählt, wie er mit seinen Jüngern das Passahmahl einnahm. Das ist in der jüdischen Tradition ein feierliches Essen, das an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnern soll. Für Jesus war es die letzte Speise vor seiner Verhaftung und seinem Tod am Kreuz.

So wie es im Neuen Testament beschrieben wird, feiern evangelische Christinnen und Christen noch heute das „Abendmahl“. In dem, was eine Pastorin oder ein Pastor spricht, kommen die bei Markus, Matthäus, Lukas und Johannes überlieferten Worte vor. Über das Brot heißt es: „Nehmt und esst, das ist mein Leib“ und auf den Kelch bezogen: „Trinkt alle daraus! Denn das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“

Woher nun die seit dem 12. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung „Grün“ – Donnerstag stammt, ist wissenschaftlich nicht ganz klar. Sie könnte sich von dem lateinischen „dies viridium“ (Tag der Grünen) ableiten. Damals gab es Menschen, die nach ihren Verfehlungen Buße tun wollten und sich grün gekleidet haben und an diesem Tag wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen wurden.

Aber es gibt auch andere Erklärungen: Das Essen der grünen Kräuter, die zur Tradition des Passahmahls gehören, könnte zum Namen geführt haben. Oder eine Ableitung vom althochdeutschen „grinen“ (übersetzt: klagen). Ebenfalls schon im frühen Mittelalter lässt sich außerdem eine Tradition der Fußwaschung nach dem Vorbild Jesu (Johannesevangelium Kapitel 13, Verse 1 bis 11) nachweisen. Im Gedenken an diese „mandatum“ genannte Fußwaschung bürgerten sich manche Bräuche an. So wurden seit dem 13. Jahrhundert Brotspenden, das sogenannte „Mandat-Brot“, von Klöstern an Arme verteilt. Kinder bekamen Honigbrote und Lebkuchen.

Heute wird in vielen Kirchen am Gründonnerstagabend ein Gottesdienst mit Abendmahl gefeiert. Manchmal wird dieser Gottesdienst von Konfirmandinnen und Konfirmanden gestaltet, manchmal werden die Elemente des Passahmahls gereicht, das grüne Bitterkraut und eine Schale mit Salzwasser für die bitteren Tränen. Manchmal gestalten Jugendliche auch im Raum Osnabrück ein Passionsspiel wie im Süddeutschen, in dem an die Geschehnisse um das Leiden und Sterben Jesu erinnert wird.


++++ +++ ++ +

Karfreitag

Karfreitag, der Freitag vor Ostern, ist einer der wichtigsten kirchlichen Feiertage. An ihm erinnern sich Christen weltweit daran, dass Jesus Christus auf dem Hügel Golgatha bei Jerusalem gekreuzigt wurde. Mit diesem Opfertod hat er die Menschheit von ihren Sünden erlöst, wie es im Alten Testament geweissagt wurde. Durch eigene Leiderfahrung kann Gott die Menschen verstehen und glaubwürdig trösten. Dieses Bild ist zentraler Glaubensinhalt aller christlichen Kirchen. Das Kreuzessymbol ist in Kirchen, auf Friedhöfen und andernorts aus diesem Grund als Zeichen der Hoffnung gegenwärtig.

Der Name Karfreitag beinhaltet das althochdeutsche „chara“, was soviel wie „wehklagen, trauern“ bedeutet. Seit dem 4. Jahrhundert wird der Tag mit Gottesdiensten begangen, oft verbunden mit Trauerfasten an diesem Tag. Es gehört seit jeher zum christlichen Glauben, den Lebensweg Christi nachzuvollziehen. So auch sein Leiden und Sterben, die Passion. Dazu dienen Karfreitagsprozessionen, Kreuzwege oder Passionsspiele.

Der Karfreitags-Gottesdienst wird in der Evangelischen Kirche meist als Bußgottesdienst gefeiert, zu dem das Abendmahl gehört. Die Liturgie ist dabei reduziert. Durch den üblichen Verzicht auf Glockengeläut, Orgelmusik und einen leeren Altar wird der besondere Charakter des Tages unterstrichen. Oft gibt es am Nachmittag spezielle Andachten zur Todesstunde Christi.

Im Protestantismus hat die Kirchenmusik eine besondere Bedeutung. Häufig werden am Karfreitag die Johannes-Passion oder die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach aufgeführt. In berichtenden Rezitativen, Chören und Chorälen wird die Passionsgeschichte nach den jeweiligen Evangelien eindrücklich erzählt. Selbst Friedrich Nietzsche äußerte zur Matthäus-Passion: „Wer das Christentum völlig verlernt hat, der hört es hier wirklich wie ein Evangelium“. In der Matthäus-Passion kommt auch der Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ vor. Der Text dieses bekanntesten Karfreitagsliedes stammt übrigens von Paul Gerhardt, dessen 400. Geburtstag 2007 gefeiert wurde.

In Deutschland ist der Karfreitag als Feiertag geschützt. Laut Niedersächsischem Feiertagsgesetz sind an diesem Tag mit „ernstem Charakter“ Veranstaltungen, „die über den Schank- und Speisebetrieb hinausgehen“ sowie öffentliche sportliche Veranstaltungen nicht zugelassen. Der Karfreitag ist ein Tag der Ruhe und eine Einladung zur Selbstreflexion. Letztlich ist er aber auch schon ein Tag der Vorfreude auf das Osterfest, das zwei Tage später gefeiert wird: Ohne Jesu Tod gäbe es keine Auferstehung und Überwindung des Todes. Dies feiern Christen am Ostersonntag.


++++ +++ ++ +

Ostern

Das Fest der Auferstehung Christi hat in der Christenheit einen Namen germanischer Herkunft. Der Name „Ostern“ geht auf das germanische „Austro“ zurück. Manche sagen, dass dieser Name eine Ableitung von „Eostre“ ist, einer angelsächsichen Göttin des Frühlings. Es könnte aber auch sein, dass das altgermanische „Austro“ von „Aust“ stammt, was „Ost“ bedeutet.

Ursprünglich wurde Ostern an jedem Sonntag gefeiert. Denn jeder Sonntag ist in der frühen Kirche als Tag der Auferstehung Christi begangen worden. Das heutige Osterfest ist ab dem zweiten Jahrhundert nach Christus nachgewiesen. Seit dieser Zeit gibt es den Wunsch, ein jährlich wiederkehrendes Gedächtnis von Kreuz und Auferstehung zu installieren.

Der Zeitpunkt war allerdings zu Anfang sehr umstritten: nach langen und heftigen Auseinandersetzungen legte ein Konzil, also eine Versammlung von Menschen, die Entscheidungsbefugnis haben, fest, dass der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond Ostern gefeiert werden soll. Das war übrigens das Konzil von Nicäa im Jahre 325 nach Christus. Daraus folgt, dass Ostern ein bewegliches Fest ist: Es wird frühestens am 22. März und spätestens am 25. April gefeiert.

Mit dem Osterfest verbinden sich bis heute zahlreiche Bräuche. Heidnischen Ursprungs ist etwa das Osterfeuer, das wahrscheinlich auf germanische Frühlingsfeuer zurückgeht. Ähnliches gilt auch für die Ostereier, die eigentlich ein Fruchtbarkeitssymbol darstellen. Eine kirchliche Weihe der Ostereier ist aber schon im 12. Jahrhundert bezeugt. Aus dem 17. Jahrhundert wiederum stammen die ersten Nachweise, dass man Ostereier im Freien versteckte. Schon damals haben Kinder sie gesucht, denen erzählt wurde, der Osterhase habe sie „gelegt“.

Apropos Osterhase: Früher gab es zu Ostern nicht nur für Adelige, sondern für alle das Recht, Hasen zu jagen. Wahrscheinlich hat man diese Tradition in scherzhafte Verbindung zu den Ostereiern gebracht und so ist die Geschichte vom eierlegenden Osterhasen entstanden. Das „Osterlamm“ dagegen ist eine Ableitung vom „Passahlamm“. Schon zu Jesu Zeiten wurde es zum Passahfest geschlachtet, das in jüdischer Tradition auch heute noch zur Erinnerung des Auszugs der Israeliten aus Ägypten gefeiert wird.