Zug der Erinnerung – Christliche Pfadfinder des VCP kritisieren DB

Nachricht 07. März 2008

Hannover. In einer Resolution fordert die Bezirkskonferenz des VCP Hannover die Deutsche Bahn auf, den Zug der Erinnerung nicht weiter zur Kasse zu bitten. Die Pfadfinderinnen und Pfadfinder finden es unerträglich, dass ein deutsches ( noch ) staatseigenes Verkehrsunternehmen abermals an den Deportationen verdient. In einem Schreiben wenden sie sich direkt an Hartmut Mehdorn.

Sie fordern die Bahn unmissverständlich auf, zu ihrer Verantwortung zu stehen und dem Zug der Erinnerung die immensen Kosten zu erlassen. Der Bezirksverband der Pfadfinderinnen und Pfadfinder hat als Konsequenz beschlossen, in diesem Jahr schwerpunktmässig ein Projekt „Jüdisches Leben in Hannover“ zu starten

Die Bezirkskonferenz vertritt 900 Kinder und Jugendliche in der gesamten Region Hannover, bundesweit gehören 47.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum VCP.


Hier die Resolution im Wortlaut:

Resolution und Aufforderung an die Deutsche Bahn, den Zug der Erinnerung zu unterstützen

Im Rahmen seiner Aktivitäten zur Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus hat der VCP Bezirk Hannover an der Vorbereitung und Durchführung des Besuches des „Zuges der Erinnerung“ in Hannover mitgearbeitet. Viele Kinder – und Jugendgruppen der Pfadfinder haben den Zug besucht und waren von der Ausstellung beeindruckt .

Seit November fährt der Zug durch Deutschland. Er besteht aus einer alten Dampflok und zwei nicht ganz so alten Personenwagen, in denen sich eine Ausstellung zu den Deportationen im Nationalsozialismus befindet. Die Ausstellung stellt vornehmlich Kinder vor, die mit ihren Familien in Zügen der Reichsbahn in die Vernichtungslager des Ostens verschleppt worden sind. Bilder zeigen Kinder, die oft kurz nach den Aufnahmen aus ihrem Leben gerissen worden sind. Die Opfer bekommen so ein Gesicht.

Aber auch die Täter werden in der Ausstellung angesprochen. Es gab eine Kontinuität, Mitarbeiter und leitende Angestellte der Reichsbahn, die mit den Deportationen befasst waren, hatten dann auch bei der DB leitende Stellen.
Über 100.000 Menschen haben den Zug bisher besucht und konnten ihre Trauer und Bestürzung dabei zeigen. Der Zug, der oft direkt in den Hauptbahnhöfen steht, berührt. Er zieht die Erinnerungsarbeit zu den Menschen in die Zentren der Citys.

Bei den Gruppen der Pfadfinderinnen und Pfadfindern entstand der Wunsch , an den aufgeworfenen Fragen weiterzuarbeiten. Grosses Unverständnis herrscht bei den meisten Besucherinnen und Besuchern über die Rolle der Deutschen Bahn .

Diese lässt sich jeden Kilometer auf der Strecke und jede Minute, die der Zug am Bahnsteig steht, bezahlen. Es entstehen Summen von mehreren 10.000 Euro, die die Bürgerinitiative nicht aufbringen kann. Politiker bis hin zu Ministerpräsidenten haben an die Deutsche Bahn appelliert, die Aufarbeitung der Geschichte durch den Erlass der Gebühren zu unterstützen und damit den Willen zur Aufarbeitung und zur Übernahme von Verantwortung zu zeigen.

Ein zynischer Vergleich drängt sich schockierend auf: Die Reichsbahn als Rechtsvorgänger hat gut an den Deportationen verdient, ihre Rechtsnachfolgerin, die DB, verdient abermals daran, dieses Mal an der Aufarbeitung. Dieses Verhalten der DB erzeugt bei den Delegierten des VCP Bezirk Hannover Ablehnung. Wir wissen, wie wichtig diese Ausstellung gerade für Kinder und Jugendliche ist und fordern die Deutsche Bahn auf, ihrer Verantwortung wenigstens im Ansatz gerecht zu werden und die Kosten für den Zug der Erinnerung zu erlassen.

Bezirkskonferenz VCP Bezirk Hannover
i.A. Sören Köpke Christian Alles
Sprecher der Bezirkskonferenz

www.vcphannover.de