Zum 60-jährigen Bestehen der VELKD

Nachricht 05. März 2008

Reformatorisch-theologischen Grundwasserspiegel hoch halten

Wittenberg/Hannover - Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) fühlt sich nach den Worten ihres Leitenden Bischofs, Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), der Aufgabe verpflichtet, den "reformatorisch-theologischen Grundwasserspiegel in den Gemeinden hoch zu halten". Beim Festakt zum 60-jährigen Bestehen der VELKD unterstrich Johannes Friedrich am 2. März in Wittenberg die Bedeutung dieses Zusammenschlusses von acht lutherischen Kirchen. So hätten die lutherischen Kirchen in ihrem Bekenntnis die Kraft erkannt, "welche die Kirchen bei ihrer Sache hält und zugleich die Möglichkeit bietet, Gemeinsamkeit im Bekenntnis über territoriale Grenzen hinweg zu konstituieren". Die den Blick weitende Wirkung des Bekenntnisses hätte nicht nur innerhalb Deutschlands funktioniert, so der Leitende Bischof, sondern weit darüber hinaus. So habe das Luthertum ein Gespür für seine internationale Dimension gewonnen. 1947 wurde der Lutherische Weltbund 1947 gegründet, die VELKD am 8. Juli 1948 in Eisenach.

Wie stark der Wille zum Zusammenwirken innerhalb der VELKD ausgeprägt sei, könne man an der Herausgabe agendarischer Ordnungen für Gottesdienste ablesen, an der Entwicklung einer kirchlichen Lebensordnung (heute "Leitlinien kirchlichen Lebens") sowie an einem gemeinsamen Pfarrerdienstrecht ablesen. Hinzu kämen die Gründung eines Theologischen Studienseminars, eines Gemeindekollegs und eines Liturgiewissenschaftlichen Instituts. Eine große Wirkung habe die VELKD durch ihre gemeindepädagogischen Aktivitäten erlangt, unter anderem durch die Herausgabe des "Evangelischen Erwachsenenkatechismus", des Kinderkatechismus "Erzähl mir vom Glauben" und des "Handbuchs Religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen". Als Bekenntniskirche habe sich die VELKD stets dem ökumenischen Gespräch "in besonderer Weise" verpflichtet gefühlt und den Dialog mit der römisch-katholischen Kirche, mit den Methodisten und den Altkatholiken voran getrieben und zu ökumenischen Verabredungen geführt.


"Die Einsichten Luthers sind nicht überholt"

Wittenberg/Hannover - "Die Einsichten Martin Luthers sind im Kern nicht überholt." Darauf hat der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), hingewiesen. In seiner Predigt in der Schlosskirche der Lutherstadt Wittenberg sagte er am 2. März anlässlich des 60-jährigen Bestehens der VELKD, ihm liege daran, "dass wir Luthers Einsichten auch heute aufnehmen, denn sie helfen uns". Dies gelte insbesondere für die biblische Botschaft von der Rechtfertigung des Menschen allein aus der Gnade Gottes. Diese "Botschaft von der bedingungslosen Liebe Gottes könnte auch heute noch so vielen Menschen gut tun". Luther habe durch das Studium der Bibel herausgefunden, dass das, was uns und unser Leben eigentlich ausmache, nicht von unserer eigenen Leistung abhänge. "Wir alle sind Gott recht - egal ob arm oder reich, klein oder groß, alt oder jung, krank oder gesund, ob erfolgreich oder nicht." Die Menschen könnten wohl auch nur deswegen mit all den Tiefschlägen im Leben umgehen, weil sie der Liebe Gottes gewiss sein können.

Was die Rechtfertigungslehre heute bedeute, formulierte der Leitende Bischof so: "Weil wir Gott recht sind, können wir voller Zuversicht die nötigen Umbauarbeiten in unserer Kirche vorantreiben, ... haben wir keinen Grund zum Jammern, sondern Anlass zu großer Freude, ... können wir unbeirrt den Weg der Ökumene weiter gehen." In dieser Botschaft wüssten sich die Lutheraner auch mit den katholischen Glaubensgeschwistern einig. Dies sei in der Bestätigung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre zwischen Lutherischem Weltbund und der römisch-katholischen Kirche im Jahre 1999 zum Ausdruck gekommen.


Was dem Leben Sinn und Würde gibt

Die Botschaft von der bedingungslosen Liebe Gottes ist die entscheidende Hilfe zum Leben und zum Glauben. Sie sagt aus, dass unser Leben nicht von der eigenen Leistung abhängig ist und ihm Wert und Würde als Gabe Gottes geschenkt werden, die man sich nicht verdienen und auch nicht verlieren kann. Martin Luthers zentrale Einsicht war diese Rechtfertigung des Menschen allein aus der Gnade Gottes. Wir vertrauen darauf: Alle Menschen sind Gott recht - egal, ob arm oder reich, klein oder groß, alt oder jung, krank oder gesund, ob erfolgreich oder nicht. Darum sind wir eingeladen, Gott ganz und gar zu vertrauen und unser Leben aus diesem Vertrauen heraus anzunehmen und zu gestalten.

Die Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) hat sich bei ihrer Klausurtagung, die anlässlich des 60-jährigen Bestehens der VELKD in Wittenberg stattfand, mit dem Thema "Rechtfertigung heute" befasst. Sie hat ein Votum zur aktuellen Bedeutung der Rechtfertigungslehre verabschiedet. Die Bischofskonferenz ermutigt damit alle Pfarrerinnen und Pfarrer, diese befreiende Botschaft immer wieder neu auszulegen und Erfahrungen der Anerkennung und des Angenommenseins in den Predigten Raum zu geben.


Glück des Lebens setzt Gratisgeschenk Gottes voraus

Wittenberg/Hannover - Ohne die Erfahrungen der Anerkennung und des Angenommenseins werden Menschen seelisch krank. Darauf hat Prof. Dr. Wilfried Härle (Heidelberg) in seinem Festvortrag unter dem Thema "Rechtfertigung heute" zum 60-jährigen Bestehen der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) am 2. März in Wittenberg hingewiesen. Dabei bekräftigte er die zeitlose Bedeutung der Rechtfertigungslehre Martin Luthers, wonach der Mensch allein aus Gottes Gnade gerecht ist. Dieses Thema sei keineswegs überholt oder altmodisch, so Härle. Es gehe um die Frage, wer denn eigentlich letztgültig darüber entscheide, ob ich als Mensch akzeptabel bin - meine Mitmenschen, ich selbst oder Gott. Die lutherische Rechtfertigungslehre besage, "dass wir uns unsere Anerkennung und unser Lebensrecht, unseren Wert und unsere Würde nicht erst verdienen müssen, weil uns dies alles immer schon von Gott gratis mit unserem Dasein gegeben ist", hob Prof. Härle hervor, der in Heidelberg Systematische Theologie lehrt. "Und darauf vertrauen und aus diesem Vertrauen leben zu können, das ist das Glück des Lebens." Kein Mensch müsse sich seinen Wert und seine Würde erst erringen und verdienen. Vielmehr seien sie ihm mit seinem Dasein von Anfang an gegeben. Diese Botschaft gelte nicht nur für Erwachsene oder für Jugendliche, die ihren Platz in der Gesellschaft suchen, erkämpfen und behaupten wollten, sondern auch schon in einem bisher nie gekanntem Ausmaß für Kinder. Wer nicht mithalten könne bei der Kleidung, in der schulischen oder beruflichen Leistung, im Sport, beim Freizeitvergnügen, bei der Wahl der Urlaubsziele, der werde schnell abgeschrieben. Härle rief dazu auf, die Maßstäbe wieder zurecht zu rücken und den Menschen diese befreiende Botschaft zu verkündigen.

Hinweis: Der Vortrag von Prof. Härle kann hier herunter geladen werden:
http://www.velkd.de/download/Haerle_rechtfertigung.pdf


Hannover, 3. März 2008
Udo Hahn
Pressesprecher der VELKD
www.velkd.de