Telefonseelsorge Hannover verzeichnet Anruferrekord

Nachricht 04. März 2008

Hannover (epd). Immer mehr Menschen suchen bei psychischen Erkrankungen die Hilfe der Telefonseelsorge. Für die Anrufer sei es wichtig, dass dort verlässlich rund um die Uhr jemand zu erreichen sei, sagte der Leiter der Telefonseelsorge Hannover, Pastor Dieter Klages, am Dienstag vor der Presse: "Es geht dann darum, dass jemand durch die Nacht gebracht wird." Viele hätten sonst keine Gesprächspartner. Im Jahr 2007 haben laut Statistik 19.680 Anrufe die Beratungsstelle unter der kostenlosen Nummer 0800/1110111 erreicht. Dies seien so viele wie nie zuvor.

Probleme rund um psychische Erkrankungen bestimmten neben Partnerschaftsproblemen die Mehrzahl der Gespräche, sagte die Mitarbeiterin der Beratungsstelle, Anke Wenzel. Zu den Hauptthemen gehörten weiter körperliche Beschwerden, familiäre Probleme und Einsamkeit. Der Anteil der Anrufe aus dem Mobilfunknetz sei auf 70 Prozent gestiegen und werde nach Prognosen der Deutschen Telekom noch weiter wachsen.

Zwar seien die meisten Ratsuchenden zwischen 40 und 60 Jahre alt, doch wendeten sich mittlerweile auch immer mehr Kinder und Jugendliche an die Helfer am Telefon. Ihr Anteil mache inzwischen ein Fünftel der Anrufer aus. "Da geht es um Freundschaft, Eltern, Schule - oder jemand sagt, ich glaube, ich bin schwanger", berichtete Wenzel. Klages sagte, manchmal testeten Jugendliche die Berater auch, dennoch sei Sensibilität geboten. Hinter manch einer konstruierten Geschichte verberge sich ein wirkliches Problem.

Alle Anrufer blieben anonym, auch ihre Telefonnummern würden nicht angezeigt, betonte der Pastor. Die wenigsten erwarteten von den Beratern Lösungen: "Es geht darum, dass Menschen einfach mal etwas loswerden wollen." Die Telefonseelsorge in der Region Hannover hat Klages zufolge zurzeit 95 ehrenamtliche Mitarbeitende. 83 von ihnen seien Frauen. Wer künftig mitarbeiten wolle, werde zwei Jahre lang in Gesprächsführung, Selbsterfahrung und durch Vermittlung von Informationen ausgebildet. Interessenten, die zwischen 25 und 60 Jahre alt sein sollten, können sich unter Telefon 0511/700-880 melden.

Die Telefonseelsorge Hannover wird von der hannoverschen Landeskirche finanziert. Um ihren Dienst aufrecht erhalten zu können, sei sie auf Spender und Sponsoren angewiesen, sagte Klages. Größter Förderer der Telefonseelsorge sei bundesweit die Deutsche Telekom, die unter anderem die kostenfreien Nummern zu Verfügung stelle. Sie gebe jährlich zwischen 3 und 3,5 Millionen Euro für die Telefonseelsorge aus.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0574/04.03.08)
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