Ethiker: Kirchen sollen Status von Embryonen klären

Nachricht 03. März 2008

Göttingen/Berlin (epd). In der Debatte über die Stammzellforschung haben evangelische Ethikprofessoren die Kirchen aufgefordert, Klarheit über den Status von Embryonen zu schaffen. "Die aktuelle Debatte über die Änderung der Stichtagsregelung könnte für die Kirchen eine Chance sein, ihre Position grundsätzlich zu überdenken", heißt es in einem Beitrag der Theologen Reiner Anselm (Göttingen) und Johannes Fischer (Zürich) für das christliche Magazin "Zeitzeichen" (Märzausgabe).

In der gemeinsamen Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz "Gott ist ein Freund des Lebens" aus dem Jahr 1989 werde die biblische Auffassung von der "Gottebenbildlichkeit" des Menschen auf den gesamten Bereich des ungeborenen menschlichen Lebens übertragen. In der Konsequenz bedeute dies, "dass sämtliche menschliche Embryonen, also auch solche, die sich nicht in die Gebärmutter einnisten oder die in vitro existieren, auf dieselbe moralische Stufe zu stehen kommen und denselben Schutzanspruch haben wie ein geborener Mensch", geben Fischer und Anselm zu bedenken.

"Haben wir wirklich einen jeden nichteingenisteten Embryo in moralischer Hinsicht genauso wichtig zu nehmen wie, sagen wir, die Menschen in Darfur? Kann man sich dafür auf die Verkündigung Jesu berufen? Oder worauf sonst in der Bibel will man sich dafür stützen?", heißt es in dem Beitrag. "Es ist an der Zeit, hier Klarheit zu schaffen", mahnen die Autoren.

Es sei abzusehen, dass die Kirchen aufgrund des biotechnologischen Fortschritts immer wieder neu mit deren Problematik konfrontiert und in einen unerquicklichen Streit gezogen werden, so die Ethiker. Der Dissens in der Frage der Stichtagsregelung zwischen der evangelischen und der katholischen Kirche weise "auf tiefer gehende konfessionelle Differenzen" hin, heißt es weiter. Innerhalb der evangelischen Theologie sei die bislang eingenommene gemeinsame Position der Kirchen hinsichtlich des Status des vorgeburtlichen Lebens schon seit langem umstritten.

Kardinal Karl Lehmann hatte in der Debatte um das Stammzellgesetz der Position des EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber widersprochen. Er lehne eine Verschiebung des Stichtages ab, bis zu dem Stammzelllinien zu Forschungszwecken von deutschen Wissenschaftlern genutzt werden dürfen, so der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Huber hatte Ende 2007 eine einmalige Verschiebung des Stichtages befürwortet.

Auch innerhalb der evangelischen Kirche gibt es unterschiedliche Stimmen in der Stammzelldebatte. So gingen lutherische Bischöfe auf Distanz zur Position der EKD und ihres Ratsvorsitzenden. Der Embryonenschutz müsse ohne jede Einschränkung aufrecht erhalten werden, sagte der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich Anfang Januar. Der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber sagte: "Wir haben hier keinen Streit zwischen zwei Konfessionen, denn Bischof Huber beschreibt keine für die ganze evangelische Kirche verbindliche Sichtweise."

(epd Niedersachsen-Bremen/b0547/29.02.08)
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