Gerechte Agrarpolitik stärkt bäuerliche Landwirtschaft weltweit

Nachricht 03. März 2008

Göttingen. Bauern aus Niedersachsen und Vertreter von Kleinbauernorganisationen aus Nicaragua, Brasilien und Peru kritisieren die Reformvorschläge zur EU-Agrarpolitik. In der heutigen Podiumsdiskussion „Fairer Handel mit Milch?“, organisiert von „Brot für die Welt“, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirt und verschiedenen regionalen Organisationen aus Landwirtschaft, Kirche und Entwicklungspolitik, werden die Anforderungen an eine faire Agrarpolitik mit unter anderem Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen diskutiert.

Kleinbauern in Entwicklungsländern sind der Schlüssel zur Hungerbekämpfung“, sagt Uwe Becker von „Brot für die Welt“. „Die Ausrichtung der europäischen Landwirtschaft auf Export gefährdet nachweislich bäuerliche Strukturen in Entwicklungsländern, ohne den bäuerlichen Betrieben in Niedersachsen zu nutzen.“

In einem einjährigen Dialog haben Bauern aus Lateinamerika und Niedersachsen Gemeinsamkeiten in der Gefährdung ihrer Lebens- und Arbeitsweise durch die Agrarpolitik festgestellt. Die Ausrichtung der Agrarpolitik in Europa auf Export setzt die bäuerlichen Betriebe weltweit in eine Konkurrenz und drückt die Erzeugerpreise nach unten. Sie fordern deshalb Konzepte von der niedersächsischen Regierung zum Erhalt der existenzsichernden Landwirtschaft und ländlichen Wirtschaftsentwicklung weltweit. Sie fordern ein flexibles Mengenmanagement, um die Milchproduktion in Europa zu begrenzen. Die so genannten Direktzahlungen an landwirtschaftliche Betriebe sind zu staffeln und dabei müssen die Kosten für landwirtschaftliche Arbeitskräfte berücksichtigt werden. Außerdem fordern Bauernverteter Schutzmöglichkeiten für die heimische Milchproduktion und auch andere landwirtschaftliche Produktionen weltweit.

> „In Dialogen auf verschiedenen Höfen in Niedersachsen ist deutlich geworden, auf welche Weise die Agrarmarktpolitik der EU die fragilen wirtschaftlichen Strukturen in Entwicklungsländern bis heute gefährdet“, sagt Eberhard Prunzel-Ulrich von der AbL, Direktvermarkter in Landolfshausen. „Die Reformvorschläge der EU wollen die Milchmenge noch um zwei Prozent ausdehnen, und zwar schon ab April diesen Jahres. Dann würden in kurzer Zeit nicht nur viele kleine und mittlere Landwirte in Niedersachsen ihre Höfe und ihre Existenz verlieren, sondern auch große Mengen überschüssiger Milch auf den Weltmarkt gedrückt. Diese Mengen schwappen in viele Entwicklungsländer und stören die dortigen Märkte.“

„Wir haben Probleme mit billigen Importen in unserem Land“, sagt Lucinda Quispealaya „Und außerdem wissen wir nicht, ob diese Produkte mit Chemie oder Gentechnik produziert worden sind. Für unsere Kleinbauern ist es wichtig, dass sie ihre eigenen Nahrungsmittel produzieren und auch regional vermarkten. Nur dann haben sie eine Chance ihre Familie gesund und vielfältig zu ernähren und höhere Preise zu erzielen.“


Uwe Becker
Beauftragter Brot für die Welt
Diakonisches Werk der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers