Diakonie-Direktor warnt vor Spaltung der Gesellschaft

Nachricht 29. Februar 2008

Hannover (epd). Angesichts zunehmender Armut hat der hannoversche Diakonie-Direktor Manfred Schwetje vor einem Auseinanderdriften der Gesellschaft gewarnt. "Es gibt große Gruppen, die abgehängt sind und keinen Anteil am Fortschritt haben", sagte er am Freitag in Hannover dem epd: "Wir müssen diese Menschen in der Gesellschaft halten." Aus diesem Grund hat die Diakonie laut Schwetje Ehrenamtliche ausgebildet, die Familien mit geringem Einkommen vor Ort bei der Haushaltsplanung unterstützen.

Die ersten 18 Ehrenamtlichen des Projekts "Gemeinsam gewinnen - gut auskommen mit dem Einkommen" erhalten an Sonnabend zum Abschluss ihrer Fortbildung ein Zertifikat. Sie haben an sechs Wochenenden gelernt, wie sie armen Familien zur Seite stehen können. Manchen Menschen fehle ganz konkret das Geld für Strom und Gas, berichtete Schwetje: "Andere haben am 25. eines Monats effektiv nichts mehr zu essen." Kinder, die eine Ganztagsschule besuchten, könnten nicht am Mittagessen teilnehmen, weil sie es sich nicht leisten könnten.

"Obwohl wir ein soziales Netz haben, kommen Menschen in die Situation, dass es nicht reicht", sagte der Diakonie-Direktor. Projekt-Koordinatorin Katharina Fricke erläuterte, die Ehrenamtlichen könnten gemeinsam mit den betroffenen Familien deren monatliche Ausgaben betrachten und Schwerpunkte setzen: "Mancher hat nie gelernt, ein Haushaltsbuch zu führen." Es gehe um ganz konkrete Alltagsfragen: "Man muss nicht jedes Mal, wenn man einkaufen geht, eine Plastiktüte kaufen", sagte die Pastorin.

Die Ehrenamtlichen stammen aus Hannover, Burgdorf, Hann. Münden, Rethem bei Walsrode und Georgsmarienhütte. An diesen Standorten solle das Projekt demnächst anlaufen. Die Familien kämen über die Sozialarbeiter oder über Sozialprojekte wie Mittagstische oder Hausaufgabenhilfe in Kontakt mit der Kirche.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0551/29.02.08)
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