Auch Micha Brumlik sagt Teilnahme am Katholikentag ab

Nachricht 27. Februar 2008

Osnabrück/Frankfurt a.M. (epd). Im Streit über das neue katholische Karfreitagsgebet zur Bekehrung der Juden hat auch der jüdische Frankfurter Sozialwissenschaftler Micha Brumlik seine Teilnahme am Katholikentag im Mai in Osnabrück abgesagt. Er wolle damit ein Zeichen setzen, sagte der ehemalige Direktor des Fritz-Bauer-Instituts zur Geschichte und Wirkung des Holocaust am Mittwoch auf epd-Anfrage: "Entweder sie machen das rückgängig, oder der Dialog auf offizieller Ebene wird einfrieren." Der Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz in Deutschland, Henry Brandt, will dagegen trotz grundsätzlicher Kritik zum Katholikentag fahren.

Der Repräsentant der Weltunion für progressives Judentum, Rabbiner Walter Homolka, hatte seine Mitwirkung am Katholikentag zu Beginn der Woche abgesagt. Das Karfreitagsgebet sei nach der Schuld, die die katholische Kirche zuletzt im Nationalsozialismus auf sich geladen habe, völlig unangemessen und müsse "aufs Schärfste zurückgewiesen werden", sagte er. Der Sprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und des Katholikentags, Theodor Bolzenius, bedauerte die Absage Homolkas als "ausgelassene Chance". Der Katholikentag sei auch ein Forum, um bestehende Probleme zu diskutieren.

Brumlik betonte, die neue Karfreitagsfürbitte sei "eindeutig antijudaistisch". Der jüdische Glaube werde darin als defizitär bezeichnet. Auch die Ankündigung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Möglichkeiten für multireligiöse Feiern weiter einzuschränken, sei ein deutliches Zeichen gegen den Dialog. Dadurch seien Juden wie auch Christen düpiert, die sich seit langem für gemeinsame Feiern einsetzten. Er habe bereits vor drei Monaten in einem Zeitungsartikel vor einer "Eiszeit" zwischen den beiden Religionen gewarnt: "Jetzt ist genau das eingetreten."

Der Augsburger Rabbiner Henry Brandt sagte dagegen, er sei überrascht über die Absage seines Kollegen Walter Homolka. Zwar sei er in der Kritik mit ihm einer Meinung. Die Gespräche mit der katholischen Kirche seien jedoch gerade deshalb notwendig. "Es gibt auch jetzt noch Verhandlungsspielraum", betonte Brandt: "Ich glaube, es ist der falsche Weg, die Gespräche abzubrechen."

Auch der zum Katholikentag eingeladene Rabbiner Daniel Alter aus Oldenburg äußerte "vollstes Verständnis" für die Absage Homolkas. Sie sei "absolut nachvollziehbar". Er selbst habe aufgrund einer Erkrankung in den vergangenen Tagen noch keine endgültige Entscheidung getroffen, ziehe seine eigene Absage jedoch in Erwägung. Er habe Zweifel daran, dass es auf dem Katholikentag konstruktive Gespräche über dieses Thema geben könne. Landesrabbiner William Wolff aus Schwerin will nach eigenen Aussagen die Einladung annehmen.

Papst Benedikt XVI. hatte im vergangenen Jahr die umstrittene lateinische "Tridentinische Messe" durch eine weitgehende Freigabe aufgewertet. Die darin enthaltene Karfreitagsfürbitte "für die Juden", die unter anderem von einer "Verblendung" der Juden spricht, wurde Anfang Februar in einer Neufassung veröffentlicht. Der Text wurde entschärft, ruft jedoch weiterhin zu einer "Erleuchtung" und "Rettung" der Juden durch den christlichen Gott auf. Das Karfreitagsgebet soll in katholischen Gottesdiensten in diesem Jahr erstmals in der neuen Form gesprochen werden.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0528/27.02.08)
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