Diakonie Himmelsthür und Volkshochschule kooperieren bei Theaterkurs für geistig behinderte Menschen

Nachricht 27. Februar 2008

Hildesheim. Stefan gehört zu den Aktivposten der Gruppe. Aber wie so viele Schauspieler hat er einen eigenen Kopf. Jetzt soll er einen Kommissar spielen, der zwei Mafiosi hops nimmt. Den langen schwarzen Mantel findet Stefan prima, aber bei der Kopfbedeckung gibt’s Ärger mit der Regie. „Nimm die Kappe ab und setz einen Hut auf“, lautet die Anweisung.

Das Zwischenspiel gehört zu den kleineren Hürden, die die Hildesheimer Studentinnen Elisabeth Flämig und Hannah Biedermann in ihrem Volkshochschulkurs „Theaterspiel und szenisches Gestalten“ meistern. Ihre Gruppe setzt sich aus geistig und zum Teil auch körperlich behinderten Menschen zusammen. Einmal pro Woche treffen sich die acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Festsaal der Diakonie Himmelsthür, um der Fantasie Lauf zu lassen. Übliche Theatertechniken stoßen hier an ihre Grenzen. „Das Verständnis, was Theaterspielen ist – also in eine Rolle zu schlüpfen, jemand anders darzustellen –, ist quasi gar nicht vorhanden“, sagt Hannah Biedermann.

Wortreiche Erklärungen helfen wenig, emotionale Impulse sind dagegen ein guter Schlüssel: Die Aufforderung, sich als Detektive vorsichtig anzupirschen, ist beispielsweise zu abstrakt. Aber kaum wird die Szene mit geheimnisvoller Musik unterlegt, schleichen alle auf leisen Sohlen durch den Raum. „Bewegung und Musik, das funktioniert eigentlich immer“, so Hannah Biedermann. Mit der Zeit haben die beiden Kursleiterinnen die individuellen Besonderheiten hervorgekitzelt. Stefan äußert sich wortreich – Nicole hingegen kann gar nicht sprechen, ihre Stärke liegt in ausdrucksstarken Gesten. Sabine ist für witzige Momente zu haben, Lothar hat am Tanzen Spaß.

Die Kooperation der Diakonie Himmelsthür mit der Volkshochschule gibt es schon seit rund 15 Jahren. Zunehmend entdeckt der Theaterkurs den Film für sich; das Medium ist geeigneter, spontane und einmalige Situationen festzuhalten. Seit einem halben Jahr sammelt die Gruppe nun Aufnahmen für einen Mafia-Krimi. Feste Rollenzuweisungen sind kaum machbar, eher wird es eine Collage werden.

Spannend wird es vor allem, wenn sich der Spieltrieb der Teilnehmer austobt. Um eine Verfolgungsjagd zu filmen, wird „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ gespielt. „Attacke!“, ruft David und spurtet so vehement los, dass er nicht mehr stoppen kann und im Gebüsch landet. Das ist pure Power – und ganz sicher eine der Szenen, die nicht fehlen darf, wenn der Krimi im Frühjahr fertig wird.