Ethiker: VW-Affäre steht nicht für alle Unternehmen

Nachricht 24. Februar 2008

Hannover/Hamburg (epd). Nach den Urteilen in der VW-Korruptionsaffäre hat der evangelische Sozialethiker Gerhard Wegner davor gewarnt, die deutsche Wirtschaft insgesamt unter Generalverdacht zu stellen. "Das will ich nicht hoffen, dass das deutsche Unternehmenskultur ist", sagte der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der evangelischen Kirche am Freitag im Sender NDR Info. Grundsätzlich denke er aber nicht, dass die Urteile "einen ganz großen, reinigenden Effekt" haben werden.

Wegner forderte von Topmanagern eine Vorbildfunktion für ihr Unternehmen. "Ein Topmanager ist nicht dazu da, sich selbst zu bereichern oder nur seinem eigenen Vergnügen zu frönen oder seinen eigenen Lüsten und seiner Gier zu folgen, sondern ein Topmanager ist ein Treuhänder für die Menschen, die in einem Unternehmen beschäftigt sind", betonte er.

Er hoffe, so Wegner weiter, dass über neue Transparenzregeln in vielen Bereichen, auch auf den Finanzmärkten, vieles offener werde und solche Korruptionsfälle dann nicht mehr so leicht passierten. Man müsse zudem Managern, leitenden Angestellten, "auch leitenden Betriebsräten" ins Gewissen reden. "Man kann nicht nur alles auf Strukturen schieben", sagte Wegner.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0492/22.02.08)
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