Auf einen Blick: Kriegsdienstverweigerer / Lebensmittelpunkt Arbeit / Radio im Internet / Studenten Pilgerweg-Ausstellung

Nachricht 22. Februar 2008

Zahl der Kriegsdienstverweigerer erheblich gestiegen

Bremen (epd). Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer in Deutschland ist nach Angaben der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer im vergangenen Jahr erheblich angestiegen. Sie habe im Vergleich zum Vorjahr um knapp 16 Prozent auf 161.448 Antragsteller zugenommen, teilte der Geschäftsführer der Organisation in Bremen, Günter Knebel, am Freitag mit. Die Arbeitsgemeinschaft bezieht sich mit ihren Angaben auf Daten des Bundesamtes für Wehrverwaltung. Unter den Verweigerern waren demzufolge 3.119 Soldaten und 251 Reservisten.

"Die deutlich erhöhte Zahl zeigt, dass die Gewissensfreiheit zur Kriegsdienstverweigerung bei Wehrpflichtigen einen hohen Stellenwert behält", folgerte Knebel. Die Arbeitsgemeinschaft will aufgrund der Zunahme die Gespräche mit Jugendlichen über friedliche Konfliktlösungen und einen persönlichen Gewaltverzicht ausdehnen. Darauf solle vermehrt in Kirchenkreisen aufmerksam gemacht werden, nachdem die Bundeswehr seit April 2007 durch 94 hauptamtliche und mehr als 300 nebenamtliche Jugendoffiziere für eine Karriere beim Bund werbe, erläuterte Knebel.

Kritik übte der Experte für Fragen der Kriegsdienstverweigerung an der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie habe die Mittel für die Seelsorge an Kriegsdienstverweigerern überproportional gekürzt, obwohl in ihren Denkschriften vom "Vorrang für Gewaltfreiheit" die Rede sei. 2007 sind nach Angaben des Bundesamtes für den Zivildienst 84.562 Verweigerer zu einem neunmonatigen Zivildienst einberufen worden.

Internet: Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer

(epd Niedersachsen-Bremen/b0477/22.02.08)
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Psychologe: Arbeit ist für viele Lebensmittelpunkt

Hannover (epd). Arbeit ist nach Ansicht des Heidelberger Psychotherapie-Dozenten Arnold Retzer für die Menschen zu einem Lebensmittelpunkt geworden. Die Gesellschaft und der Einzelne definierten sich heute zumeist über die Arbeit, sagte Retzer am Freitag bei einer Tagung von Lebensberatern in Hannover. Er forderte zugleich ein Umdenken. Heute werde Elternschaft als Erziehungsarbeit verstanden, Liebe als Beziehungsarbeit und Trauer als Trauerarbeit, erläuterte der Psychotherapeut.

Dies gelte, obwohl die Arbeitsgesellschaft immer mehr Menschen keine Arbeit mehr biete, sagte Retzer seinem Manuskript zufolge: "Ein heute 15-Jähriger wird vermutlich in seinem Leben mehr Zeit vor dem Fernseher oder der Spielkonsole verbringen als bei seiner Arbeit." Der Zusammenhang von Arbeit, Einkommen und Lebenssinn, der noch aus den Kindheitstagen der Industriekultur stamme, müsse aufgebrochen werden, forderte der Mediziner und Psychologe. Zu der Tagung waren Vertreter von 31 Lebensberatungsstellen der hannoverschen Landeskirche gekommen.

Retzer, Leiter des Systemischen Institutes an der Universität Heidelberg, erläuterte den Einfluss, den diese Maßstäbe auch auf Familien und Liebesbeziehungen sowie die Freizeit der Menschen hätten. So wirke etwa die auf Langfristigkeit und Stabilität setzende Ehe unter solchem Blickwinkel hoffnungslos überholt und ihr Gelingen wie ein Wunder. Kurzfristigkeit, Gleichzeitigkeit und Schnelligkeit seien dagegen Werte der Gegenwart, sagte Retzer. Er rief dazu auf, hier gegenzusteuern, innezuhalten und nicht immer mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu wollen.

In den 31 Lebensberatungsstellen in der hannoverschen Landeskirche sind nach Angaben des Hauptstellenleiters Pastor Reinhard Vetter insgesamt 180 Mitarbeiter tätig. Sie haben 2006 mehr als 20.000 Menschen beraten.


(epd Niedersachsen-Bremen/b0472/22.02.08)
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Radio im Internet

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Die Suppenküche in Hannover
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Studenten zeigen Ausstellung mit Forschung zu Pilgerweg

Göttingen (epd). Göttinger Volkskunde-Studenten haben eine Ausstellung über den Pilgerweg Loccum-Volkenroda erarbeitet. Die Schau mit dem Titel "(Er)findung eines Pilgerweges. Unterwegs zwischen Loccum und Volkenroda" werde an diesem Sonnabend um 19 Uhr in der evangelischen Innenstadtkirche St. Johannis eröffnet, teilte der Kirchenkreis Göttingen mit. Die Ausstellung wird dort zwei Wochen lang gezeigt.

Die Volkskundler haben sich den Angaben zufolge ein Semester lang mit dem Pilgerweg und dem Pilgern beschäftigt. Sie stellten Objekte, Texte und Bilder zusammen. Dabei gehe es unter anderem um die Motivation der Pilger, um körperliche und psychologische Vorgänge beim Pilgern sowie die Frage der Kommerzialisierung, hieß es. Der Pilgerweg zwischen dem Kloster Volkenroda bei Mühlhausen und dem Kloster Loccum bei Nienburg wurde 2005 eröffnet.

Studierende, die an dem Forschungsprojekt beteiligt waren, begleiten die Ausstellung. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 11 bis 13 und 16 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 11 bis 18 Uhr.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0468/21.02.08)
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