Verbandschef: Nur Klinik-Verbünde haben eine Chance

Nachricht 14. Februar 2008

Hildesheim (epd). Krankenhäuser haben aufgrund des hohen Kostendrucks im Gesundheitswesen zukünftig nur noch in Verbünden eine Überlebenschance. Das sagte der Vorsitzende des Evangelischen Krankenhausverbandes Niedersachsen, Pastor Michael Schwekendiek, am Donnerstag zu Beginn der Jahrestagung der Organisation in Hildesheim in einem epd-Gespräch. "Das trifft auf Häuser mit 120 Betten genauso zu wie auf Einrichtungen mit 1.000 Betten", betonte Schwekendiek. Die Kliniken müssten mit weniger Geld und weniger Personal mehr Patienten versorgen.

"Trotz einer Budgetsteigerung von 0,64 Prozent haben wir effektiv weniger Geld zur Verfügung", kritisierte Schwekendiek, der in Niedersachsen 25 evangelische Krankenhäuser mit 5.200 Betten vertritt. Von der Erhöhung werde mit 0,5 Prozent ein Großteil durch eine pauschale Abgabe für ambulante Leistungen wieder aufgezehrt. "Dazu kommen die gestiegene Mehrwertsteuer bei gestiegenen Preisen und höheren Personalkosten - das geht nicht mehr", sagte Schwekendiek. In Verbünden könnten Krankenhäuser zwar preiswerter einkaufen. Aber mehr Geld müsse auch vom Bürger und aus der Politik kommen.

Die Bundesregierung scheine fest damit zu rechnen, dass Krankenhäuser von der Bildfläche verschwinden. "Wenn Gesundheit unser höchstes Gut sein soll, müssen wir auch bereit sein, dies entsprechend zu honorieren", bekräftigte Schwekendiek und rechnete vor: "Ein verheirateter Alleinverdiener mit zwei Kindern zahlt monatlich zwischen 150 und 200 Euro an die Krankenkasse. Mit diesem Anteil sind er, seine Frau und seine Kinder versichert. Ich weiß, dass das unangenehm ist, deshalb sagen die Politiker das nicht gerne. Aber da werden wir auf Dauer mehr aufwenden müssen."

Kliniken funktionieren Schwekendiek zufolge nur noch, weil Ärzte und Pflegekräfte immer mehr leisten: "Die Belastung ist zu hoch. Wir behandeln wesentlich mehr Patienten mit dem gleichen Personal." Er sei entsetzt, dass die Kassen und Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) trotzdem meinen, den Einrichtungen sei es noch nie so gut gegangen wie jetzt.

An dem zweitägigen Verbandstreffen in Hildesheim nehmen mehr als 60 Führungskräfte aus evangelischen Kliniken teil. Auf der Tagesordnung stehen auch Vorstandswahlen. Schwekendiek, der auch Vorsitzender der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft ist, möchte sein Amt nach gut acht Jahren an der Spitze des Evangelischen Krankenhausverbandes Niedersachsen abgeben. Er wolle sich zukünftig auf seine Aufgaben als Vorsteher und Personal-Geschäftsführer im Diakoniekrankenhaus Rotenburg bei Bremen konzentrieren, sagte der 59-Jährige dem epd.

Internet:
www.diakonie-hannovers.de
www.diako-online.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b0392/14.02.08)
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