Landesbischöfin kritisiert, dass Nahrung zunehmend an Wert verliere

Nachricht 13. Februar 2008

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat eine neue Ernährungsethik gefordert. Diese müsse von der Produktion von Lebensmitteln über den Vertrieb bis zur Zubereitung und den gemeinsamen Verzehr von Mahlzeiten gelten, sagte Käßmann am Mittwoch auf dem Landvolktag in Göttingen. Die Bischöfin : "Es kann nicht sein, dass ein Liter Mineralwasser mehr kostet als ein Liter Milch."

Während 1950 noch 40 Prozent des Familieneinkommens für Lebensmittel ausgegeben wurden, waren es Käßmann zufolge 2003 nur noch 10,7 Prozent: "Heute können einige wenige Lebensmittelketten den Preis diktieren, und das Diktat heißt billig", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Die fünf größten Handelsgruppen hielten inzwischen 62,4 Prozent des Marktanteils im Lebensmitteleinzelhandel: "Da wird der Spielraum der Landwirtschaft sehr gering."

Viele Landwirte sähen ohne Subventionen keine Überlebenschance, sagte Käßmann weiter. Es müsse überlegt werden, wie Wege zum Leben und Überleben für Landwirte in Deutschland und für Menschen auf der ganzen Welt gefunden werden könnten. Globalisierung sei dabei nicht nur kritisch zu sehen, sondern sie biete auch Chancen. Oberstes Ziel müsse soziale Gerechtigkeit für alle sein, die auch eine Verteilungs- und Handelsgerechtigkeit sowie Armutsbekämpfung einschließe.

Es sei Aufgabe der Kirche, den Landwirten zur Seite zu stehen und gleichzeitig weltweit für Gerechtigkeit einzutreten. Das Motto laute dabei "global denken und lokal handeln", betonte die Bischöfin: "Unsere Kirche ist für die Menschen da, vom Sorgentelefon über das Erntedankfest bis zur Ehevermittlung auf dem Lande." Die Kirche engagiere sich für eine nachhaltige Landwirtschaft als wichtiges Zeugnis für den Schöpfungsglauben.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0386/13.02.08)
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