Diakonie-Pastor: Zuwanderer-Kinder gezielt unterstützen

Nachricht 05. Februar 2008

Hannover (epd). Der neue hannoversche Diakonie-Pastor Hans-Martin Joost hat dazu aufgerufen, Zuwanderer-Kinder in den Schulen gezielt zu fördern. "Sie werden später unsere Gesellschaft bereichern und stabilisieren, wenn sie die Chance dazu haben", sagte er am Dienstag vor Journalisten in Hannover. Aufgrund ihrer Familiensituation und sprachlicher Barrieren hätten sie jedoch oft Probleme an der Schule. Die Politik ziehe sich zunehmend von dieser Aufgabe zurück, kritisierte Joost.

Der 51-Jährige leitet seit Jahresanfang das Diakonische Werk in Hannover mit rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Am Freitag wird er offiziell in sein neues Amt eingeführt. Zuvor war er Gemeindepastor sowie Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Hildesheim-Sarstedt.
Joost ist Nachfolger von Walter Lampe, der 18 Jahre lang Diakonie-Pastor in Hannover war.

Nach Joosts Angaben leben in Hannover rund 18.000 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre in Armut, unter ihnen ein hoher Anteil von Zuwanderer-Kindern. Das entspreche einem Fünftel aller Kinder in der Stadt. Viele litten unter Mangelernährung, was sich etwa durch Müdigkeit bemerkbar mache: "Obst und Gemüse sind kein Begriff für jemand, der von wenig Geld leben muss." Bei Klassenfahrten meldeten sich diese Kinder oft krank, weil die Eltern die Kosten nicht tragen könnten.

Mit Schulmaterial seien sie oft nur unzureichend ausgestattet. In Sportvereinen seien sie kaum vertreten. Viele würden von Mitschülern nicht zum Kindergeburtstag eingeladen, weil auch sie selbst sich nicht trauten, andere in ihre enge Wohnung einzuladen. Das Diakonische Werk erreiche durch ihre Projekte ein knappes Drittel aller armen Kinder in Hannover, erläuterte der Pastor. Etwa die Hälfte der rund 5.400 Teilnehmer seien Zuwanderer-Kinder. Die Sprachförderung und die Stabilisierung von Kindern etwa aus Bürgerkriegsländern seien wichtige Aufgaben.

Die Einzelfallhilfe werde ein zentrales Anliegen der Diakonie bleiben, unterstrich Joost. Die Diakonie brauche aber dringend die Unterstützung von Stadt und Region Hannover und wolle gezielt um Spender für weitere Projekte werben.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0322/05.02.08)
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