Landesbischöfin für ehrlichen Dialog der Religionen

Nachricht 27. Januar 2008

Warschau/Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat sich für einen ehrlichen Dialog der Religionen ausgesprochen. In einem Gottesdienst in Warschau sagte sie am Sonntag, evangelische Christen dürften ihren eigenen Glauben nicht verleugnen. Sobald Christus nicht mehr benannt werde, um andere Anwesende nicht vor den Kopf zu stoßen, oder das Kreuzeszeichen entfernt werde, um Provokationen zu vermeiden, werde der Grund des christlichen Glaubens in Frage gestellt.

An Schulen erlebe sie interreligiöse Gebete und Feiern, bei denen Christus aus dem Gebeten gestrichen werde, um gemeinsam eher diffus von "Gott" sprechen zu können, sagte Käßmann laut Redemanuskript in der Warschauer St.-Trinitatis-Kirchengemeinde. Es gehe nicht darum Grenzen zu verwischen, sondern mit Respekt beim Gebet der anderen anwesend zu sein: "Wer Christus als die Mitte und das Zentrum der evangelischen Theologie betrachtet, baut eine feste Burg gegen jeden Triumphalismus in der Kirche", fügte die Bischöfin der größten deutschen evangelischen Landeskirche hinzu.

Käßmann forderte das Bekenntnis zu Christus. "Wir müssen akzeptieren, dass es gerade das 'solus Christus' ist, das uns von anderen Religionen trennt", sagte die Bischöfin: "Wenn wir Christus als den Grund unseres Glaubens benennen, dann bringt das auch Trennungen mit sich." Wichtig sei daher die Betonung des gemeinsamen Glaubens über die nationalen Grenzen hinweg.

Trotz nationaler Schuld und geschichtlichem Trauma sei die lutherische Gemeinschaft ein starkes Band, das Christen in Deutschland und Polen verbinde, fügte Käßmann hinzu. Im Rahmen des Besuchs der Warschauer Kirchengemeinde sprach die Bischöfin mit Theologinnen über die Rolle der Frau in der polnischen Kirche. Sie sei dankbar, trotz der bestehenden Ablehnung der Frauenordination in Polen predigen zu dürfen, sagte sie dem epd. Im Rahmen des dreitägigen Besuchs waren Gespräche mit Vertretern der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche sowie mit dem Präsidium des Polnisch-Ökumenischen Rats geplant.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0244/27.01.08)
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