Ministerin plant Treffen von "Babyklappen"-Betreibern

Nachricht 26. Januar 2008

Hannover (epd). Die niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) will dazu beitragen, die Arbeit der vier "Babyklappen" in Niedersachsen zu verbessern und aufeinander abzustimmen. Diesem Ziel soll ein Treffen der Betreiber am 18. Februar in Hannover dienen, sagte ihr Pressesprecher Thomas Spieker dem epd am Freitag in Hannover. "Babyklappen" werden unterhalten vom evangelischen Marienstift in Braunschweig, vom Sozialdienst katholischer Frauen in Nordhorn und vom katholischen Kinderheim St. Josef in Osnabrück. In Hannover betreibt das evangelische Krankenhaus Friederikenstift ein "Babykörbchen".

Die Diskussion war durch einen toten Säugling ausgelöst worden, der am 2. Januar erfroren vor dem "Babykörbchen" in Hannover gefunden wurde. Ob das Kind bereits tot abgelegt wurde oder erst vor der Klinik starb, ist noch offen. Unklar ist auch, ob die Mutter versucht hat, die Klappe zum Babykörbchen zu öffnen, und ob diese sich den Hinweisen entsprechend bedienen ließ.

"Wir haben seit 2001 schon zehn Babys retten können", sagte Spieker. In Braunschweig, Nordhorn und Osnabrück sei jeweils ein Neugeborenes abgegeben worden, in Hannover seien es sieben gewesen: "Jedes gerettete Leben ist eine Babyklappe wert." Bei dem Treffen wolle die Ministerin ein Gespräch über die Qualitätssicherung und einen Erfahrungsaustausch in Gang bringen, den es bisher bundesweit noch nicht gebe.

Der hannoversche Sozialdezernent Thomas Walter (CDU) hatte die Ministerin am Donnerstag aufgefordert, bei den Gesprächen die Rechtsgrundlage und die Qualitätssicherung zu erörtern. Die in den vergangenen Jahren entstandenen "Babyklappen" seien ohne rechtliche Grundlage und ohne ein verbindliches Aufsichts- und Qualitätssicherungswesen entstanden. Angesichts der Tatsache, dass es sich hierbei um ein "Hilfesystem in einer besonders angespannten menschlichen Extremsituation" handele, sei dies kaum hinnehmbar.

Spieker sagte dazu, die Ministerin teile diese Sorge: "Das ist aber eine Baustelle in Berlin, nicht in Hannover." Bei anonymen Geburten bestehe eine unsichere Rechtslage. Auf der einen Seite werde das Recht auf Leben geltend gemacht, auf der anderen Seite das Recht, seine Abstammung zu kennen. "Babyklappen" bewegten sich somit in einer Grauzone. Damit sie von Müttern in Not wirklich genutzt würden, müssten sie möglichst niedrigschwellig gestaltet sein, betonte der Pressesprecher.

Nach Angaben von Staatsanwältin Kathrin Söfker ist die Mutter des in Hannover tot gefundenen Säuglings weiterhin nicht bekannt. Auch warte die Staatsanwaltschaft weiterhin auf die Ergebnisse näherer Untersuchungen zur Klappe am "Babykörbchen" des Friederikenstiftes.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0243/25.01.08)
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