Der EKD-Ratsvorsitzende zum Rücktritt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz

Nachricht 15. Januar 2008

Das Wirken von Karl Kardinal Lehmann als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz „war ein großes Geschenk nicht nur für die katholische Kirche in unserem Land, sondern für die Gemeinschaft der Christen und der Kirchen, ja für unser Land insgesamt.“ Dies schreibt der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in einer ersten Reaktion auf die Ankündigung des Kardinals, von seinem Amt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zurückzutreten.

Mit außerordentlichem Bedauern, doch zugleich mit tiefem Respekt und mit großem Verständnis nehme er die Gründe wahr, aus denen Karl Kardinal Lehmann sich zu diesem Schritt entschlossen habe. Wolfgang Huber sendet dem Mainzer Bischof seine herzlichen Genesungswünsche. Da der Rücktritt noch nicht vollzogen sei; und es gut sei zu wissen, dass Karl Lehmann seine Ämter als Bischof von Mainz und als Mitglied des Kardinalskollegiums wie der Bischofskonferenz weiter wahrnehmen werde, sei dies auch nicht der Zeitpunkt einer umfassenden Würdigung, sondern „eher ein Augenblick des dankbaren Innehaltens“, heißt es in dem Schreiben.

Dankbar blickt Wolfgang Huber dabei insbesondere auf das Wirken des Kardinals in der Gemeinschaft der Kirchen. Sein ökumenisches Wollen und seine ökumenische Weitsicht haben die Zusammengehörigkeit der Christen und das Miteinander der Kirchen gestärkt, schreibt Wolfgang Huber. Der Ratsvorsitzende der EKD erinnert daran, dass sie miteinander die gemeinsame Bindung an Jesus Christus als den Herrn der Kirche und an das Zeugnis der Heiligen Schrift als Grundlage auch für das Wirken der Kirche in der Öffentlichkeit bekräftigen konnten: in ökumenischen Gottesdiensten oder auch in dem gemeinsamen Buch zur Auslegung des Johannesevangeliums.

Wolfgang Huber dankt Gott für die ungewöhnliche Ausstrahlung, die Karl Kardinal Lehmann seinem Amt gegeben habe. Dankbar habe der Ratsvorsitzende wahrgenommen, dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz beim Abschied aus seinem Amt sein fortdauerndes ökumenisches Engagement deutlich hervorgehoben habe. Der ökumenische Geist, den Karl Kardinal Lehmann repräsentiere, solle auch weiterhin bestimmend sein.

Hannover/Berlin, 15. Januar 2008
Pressestelle der EKD
Christof Vetter


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Osnabrücker Bischof Bode bedauert Rücktritt Lehmanns

Osnabrück (epd). Der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode hat den Rücktritt von Kardinal Karl Lehmann vom Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz bedauert. Lehmann sei eine "Persönlichkeit von hoher theologischer Kompetenz, spiritueller Kraft und menschlichem Erfahrungsreichtum", sagte Bode am Dienstag: "Er war in diesem Amt ein Segen für uns." Lehmann hatte am selben Tag angekündigt, dass er nach 21 Jahren an der Spitze der katholischen Bischöfe zum 18. Februar aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten werde.

Lehmann wird weiter Bischof von Mainz bleiben. Er hatte sich im Dezember mit Herzbeschwerden in eine Klinik und anschließend in Kur begeben. Anfang Januar hatte er seinen Dienst wieder aufgenommen. Die Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe Mitte Februar in Würzburg wird Lehmann nochmals leiten. Dort soll sein Nachfolger bestimmt werden. Als möglicher Kandidat war zuletzt mehrfach der designierte Münchner Erzbischof Reinhard Marx genannt worden.

Kardinal Lehmann habe sich in Kirche und Gesellschaft in Deutschland und weit darüber hinaus hohe Achtung und Wertschätzung erarbeitet, betonte Bode. Bei seiner Autorität und seinem Ansehen sei es ihm dennoch immer leicht gefallen, mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch zu kommen: "Niemand wird es leicht haben, in seine Fußstapfen zu treten."

Allerdings sei Lehmann durch seinen Rücktritt nicht aus der Welt, sagte Bode. Er freue sich auf die weitere Zeit mit ihm in der Bischofskonferenz: "Und sicher wird Kardinal Lehmann auch zu unserem Katholikentag im Mai nach Osnabrück kommen."

(epd Niedersachsen-Bremen/b0130/15.01.08)
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