Zum Abschied Rosen und Hyazinthen

Nachricht 12. Januar 2008

Der erfrorene Säugling "Mose" wurde in Hannover beigesetzt

Von Michael Grau (epd)

Hannover (epd). Weiße Tulpen und Rosen und blauen Hyazinthen begleiten den kleinen "Mose" auf seinem letzten Weg. Sie schmücken den schlichten hölzernen Sarg, der in der Kapelle des hannoverschen Friederikenstiftes aufgebahrt ist. Der Säugling, der am 2. Januar tot vor dem "Babykörbchen" der Klinik gefunden wurde, hat viele Herzen bewegt. Am Freitag ist er beerdigt worden. "Es geht um einen kleinen Menschen, der gern gelebt hätte und der in seinem so furchtbar kurzen Leben so viel erlitten hat", sagt die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann.

Rund 80 Menschen sind zur Trauerfeier gekommen, unter ihnen viele Mitarbeiter des Krankenhauses. "Es tragisch, dass er so nah vor der lebensrettenden Klappe tot gefunden wurde", sagt Roland Heidemann (41), Leiter des ambulanten Pflegedienst. Der Junge, der noch nicht abgenabelt war, starb an Unterversorgung und Kälteeinfluss. Nur in ein Handtuch gehüllt lag er in einer Stofftasche. Ob das Kind bereits tot abgelegt wurde oder erst vor der Klinik starb, ist noch offen. Unklar ist auch, ob die Mutter versucht hat, die Klappe zum Babykörbchen zu öffnen, und ob diese sich den Hinweisen entsprechend bedienen ließ.

Käßmann gab dem Kind symbolisch den biblischen Namen "Mose". "Das kleine Gesicht, das nach Erfrieren und Obduktion fast friedlich aussah, werde ich nicht vergessen", sagt sie in ihrer Ansprache. Sie und die Mitarbeiter haben ihm einen Engel mit in den Sarg gelegt. "Ich denke, auch Gott weint um dieses Kind", sagt die Bischöfin. Zu Gitarrenklängen singt die Gemeinde danach ein Kinderlied: "Weißt Du, wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt?"

Dann trägt der Bestatter den kleinen Sarg hinaus, und rund 30 Gäste folgen ihm zum Stöckener Friedhof. Hier haben Eltern ein Gräberfeld für totgeborene Kinder angelegt mit bisher rund 30 Gräbern. Bunte Räder drehen sich darauf im Wind. Teddybären und Engel erinnern an tragische Schicksale. Nebenan wird "Mose" an zwei Seilen in die Erde hinabgelassen. "Nachdem der gnädige Gott Mose zu sich genommen hat, legen wir ihn in Gottes Acker, dass er wieder zu Erde werde, davon er genommen ist", sagt die Bischöfin.

Die Trauergäste werfen weiße Rosen oder Erde ins Grab. "Das ist so eine Geschichte, von der man denkt, dass sie gar nicht passieren kann", sagt Roland Heidemann. "Und doch ist sie passiert." Ein Steinmetz wird einen Grabstein für den Jungen spenden. Und Mitarbeiter des Netzwerks "Mirjam" für Mütter in Not wollen die Grabpflege übernehmen. "Es darf nicht sein, dass jetzt das ganze Projekt in Frage gestellt wird", sagt Heidemann. "Die Bedienung der Klappe und der Weg müssen verbessert werden, um Frauen die Angst zu nehmen."

Die Bischöfin hofft unterdessen, dass auch "Moses" Mutter irgendwann das Grab besucht, um dort um ihr Kind zu trauern: "Mich bewegt, dass ein Mensch, den wir nicht kannten, so viele Menschen berührt."

(epd Niedersachsen-Bremen/b0095/11.01.08)
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