Erfroren aufgefundener Säugling "Mose" in Hannover beerdigt

Nachricht 11. Januar 2008

Hannover (epd). Der vor dem "Babykörbchen" in Hannover erfroren aufgefundene Säugling "Mose" ist am Freitag bestattet worden. An einer Trauerfeier in der Kapelle des Friederikenstiftes nahmen rund 80 Menschen teil, unter ihnen zahlreiche Mitarbeiter des Krankenhauses. "Wir nehmen heute Abschied von einem kleinen Menschenkind, dessen kurzer und tragischer Lebensweg uns alle aufgeschreckt und erschüttert hat", sagte die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann.

Der tote Neugeborene war am 2. Januar in einer Stofftasche und in ein Handtuch gehüllt auf dem Betonboden in unmittelbarer Nähe des "Babykörbchens" am Friederikenstift gefunden worden. Der Junge, dessen Nabelschnur noch nicht abgetrennt war, starb laut Obduktionsbericht an Unterversorgung und Kälteeinfluss. Ob das Kind bereits tot abgelegt wurde oder erst vor der Klinik starb, ist noch offen. Unklar ist auch, ob und wie die Mutter versucht hat, die Klappe des Babykörbchens zu öffnen. Käßmann gab dem Kind den biblischen Namen "Mose".

Der Junge wurde nach der Trauerfeier auf dem Stöckener Friedhof in Hannover beerdigt. Dort befindet sich ein Gräberfeld für totgeborene Kinder. Rund 30 Menschen begleiteten den kleinen hölzernen Sarg des Kindes, der mit weißen Rosen und Tulpen sowie blauen Hyazinthen geschmückt war. "Nachdem der gnädige Gott Mose zu sich genommen hat, legen wir ihn in Gottes Acker, dass er wieder zu Erde werde, davon er genommen ist", sagte Käßmann am Grab.

Bei der Trauerfeier hatte die Bischöfin dazu aufgerufen, sich noch energischer für Mütter und ihre Kinder einzusetzen. Der tragische Tod des Jungen sei "eine Mahnung an uns alle, für die Kleinen einzutreten, ihnen beizustehen, damit keines verloren gehe". Obwohl keiner den kleinen Jungen, seine Eltern und seine Herkunft kannte, habe dieses Kind viele Herzen bewegt. "Gott wollte dieses Kind schützen, davon bin ich überzeugt", sagte Käßmann: "Ich denke, auch Gott weint mit uns um dieses Kind."

Der Tod des Jungen hatte in Hannover viel Hilfsbereitschaft ausgelöst. Menschen boten an, die Bestattung auszurichten oder Blumen zu spenden. Ein Steinmetz wird kostenlos einen Grabstein zur Verfügung stellen. Mitarbeiter des Netzwerks "Mirjam" für Mütter in Not wollen die Grabpflege übernehmen. Das Netzwerkunterhält neben dem "Babykörbchen" ein Notruf-Telefon für schwangere
Frauen mit der Nummer 0800-60 500 40. Käßmann äußerte die Hoffnung, dass auch die Mutter des toten Säuglings das Grab aufsuchen werde, um dort um ihn zu trauern.

(Spendenkonto Netzwerk Mirjam: Nr. 101 030 872 bei der Nord LB Hannover, BLZ 250 500 00, Kennwort "Mirjam")

(epd Niedersachsen-Bremen/b0092/11.01.08)
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