Ärztin: Erfrorener Säugling hatte kaum Überlebenschancen

Nachricht 10. Januar 2008

Hannover (epd). Der Anfang Januar vor dem "Babykörbchen" in Hannover erfrorene Säugling "Mose" hatte nach Angaben der hannoverschen Oberärztin und Privatdozentin Bettina Bohnhorst kaum Überlebenschancen. Das Herz höre bei einer Körpertemperatur von unter 32 Grad auf zu schlagen, sagte sie am Donnerstag in Hannover in einem epd-Gespräch. Zudem habe der Junge vermutlich Blutverluste gehabt, da seine Nabelschnur noch nicht abgetrennt war. Bohnhorst leitet die Abteilung für Neu- und Frühgeborenenmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Das Kind war am 2. Januar auf dem Betonboden vor dem Friederikenstift in unmittelbarer Nähe des Babykörbchens in einer Stofftasche und in ein Handtuch gehüllt gefunden worden. Es starb laut Obduktionsbericht an Unterversorgung und Kälteeinfluss. Ob der Säugling bereits tot abgelegt wurde oder erst vor der Klinik starb, ist noch offen. "Bei null Grad wird er innerhalb kürzester Zeit keinen Kreislauf mehr gehabt haben", sagte die Oberärztin. Länger als ein bis zwei Stunden hätten Neugeborene in einer solchen Situation keine Chance.

Die Dauer des Erfrierens sei auch vom Gewicht abhängig: "Frühgeborene unter 1.000 Gramm etwa sind nach 15 Minuten ohne Wärmezufuhr völlig ausgekühlt." Eine Rolle spiele auch, ob der Junge nach der Geburt abgetrocknet worden sei. Wenn er noch nass gewesen sei, könne er durch Verdunstung und Luftzug große Wärmeverluste erlitten haben. Säuglinge hätten kaum Fettgewebe als Isolierschicht. Schon bei einer Raumtemperatur von 22 Grad sei der Wärmeverlust größer als die Wärmeproduktion.

Der tote Säugling soll an diesem Freitag beerdigt werden. Die Staatsanwaltschaft hatte erklärt, die Hinweise auf der Klappe zum Öffnen des "Babykörbchens" seien nicht ausreichend gewesen. Das habe ein erstes Gutachten ergeben. Die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann sagte, es sei nach wie vor unklar, was genau vor dem Babykörbchen passiert sei: "Falls die Person, die das Kind dort abgelegt hat, die Klappe nicht öffnen konnte, wäre das eine Tragödie."

Sie selbst und viele andere, unter anderem auch Hebammen, hätten die Klappe ausprobiert, um ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen, betonte die Bischöfin: "Wir alle sagen einhellig und mit Überzeugung: Es geht absolut einfach." In den vergangenen Jahren seien sieben Babys abgegeben worden, ohne dass irgendwelche Schwierigkeiten aufgetreten seien: "Das zeigt, dass sich der Mechanismus der Klappe auch in angespannter persönlicher Situation als handhabbar erwiesen hat."

(epd Niedersachsen-Bremen/b0084/10.01.08)
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