Gutachten: Hinweise auf Babykörbchen nicht ausreichend

Nachricht 09. Januar 2008


Hannover (epd). Im Fall des toten Säuglings, der Anfang Januar vor dem "Babykörbchen" am hannoverschen Friederikenstift gefunden wurde, waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Hinweise auf der Klappe nicht ausreichend. Das habe ein erstes Gutachten der "DEKRA" ergeben, sagte Staatsanwältin Kathrin Söfker am Mittwoch in Hannover dem epd: "Sie ließ sich nicht entsprechend der darauf angebrachten Hinweise öffnen."

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann sagte, es sei nach wie vor unklar, was genau vor dem Babykörbchen passiert sei: "Falls die Person, die das Kind dort abgelegt hat, die Klappe nicht öffnen konnte, wäre das eine Tragödie." Sie selbst und viele andere, unter anderem auch Hebammen, hätten die Klappe jedoch ausprobiert, um ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen, betonte die Bischöfin: "Wir alle sagen einhellig und mit Überzeugung: Es geht absolut einfach."

Es seien in den vergangenen Jahren sieben Babys abgegeben worden, ohne dass irgendwelche Schwierigkeiten aufgetreten seien: "Das zeigt, dass sich der Mechanismus der Klappe auch in angespannter persönlicher Situation als handhabbar erwiesen hat", sagte Käßmann.

Die Staatsanwaltschaft will die Ursache nun durch weitere Sachverständige klären lassen. Staatsanwältin Söfker sagte, es gebe derzeit keinen Grund, um gegen das "Netzwerk Mirjam" als Betreiber des "Babykörbchens" zu ermitteln. Die Klärung könne sich mehrere Wochen hinziehen, da zahlreiche Unterlagen ausgewertet werden müssten. Hinter der Klappe des Babykörbchens befindet sich ein Wärmebett, in das Säuglinge hineingelegt werden können.

Der tote Neugeborene war am 2. Januar auf dem Betonboden vor dem Friederikenstift in unmittelbarer Nähe des Babykörbchens gefunden worden. Der Junge, dessen Nabelschnur noch nicht abgetrennt war, starb laut Obduktionsbericht an Unterversorgung und Kälteeinfluss. Ob das Kind bereits tot abgelegt wurde oder erst vor der Klinik gestorben ist, ist noch offen.

Das Babykörbchen ist Teil des Projektes "Mirjam - ein Netzwerk für das Leben". Es wurde im Jahr 2001 von Landesbischöfin Margot Käßmann, die bis heute Schirmherrin ist, und dem Diakonischen Werk gegründet. Neben dem Babykörbchen gibt es auch ein Notruf-Telefon für schwangere Frauen. Unter der Nummer 0800-60 500 40 werden die Anruferinnen rund um die Uhr beraten. Das Netzwerk hat nach Angaben der Diakonie bisher 44 Frauen helfen können. Nur sieben hätten anonym bleiben wollen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0072/09.01.08)
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