Landesbischöfin für mehr Orte zur Bestattung totgeborener Kinder

Nachricht 09. Januar 2008

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Verantwortlichen für Friedhöfe ermutigt, besondere Orte für die Bestattung von totgeborenen Kindern zu schaffen. "Wenn wir im Rahmen der Gentechnologie-Debatte erklären, in jedem Embryo sei ein Mensch vollständig angelegt, dann kann es auch keine Grammzahl geben, die über die Bestattung entscheidet", sagte sie am Mittwoch in Hannover bei einer Tagung des Bundes deutscher Friedhofsgärtner. Diese Kinder und ihre Angehörigen brauchten einen öffentlichen Ort der Trauer.

Die evangelische Bischöfin begrüßte es, dass bereits auf einigen Friedhöfen solche Orte eingerichtet worden seien. Sie müssten nun besser bekannt gemacht und vernetzt werden: "Vielen unserer Friedhöfe würde ein solcher Ort für die Bestattung Frühgeborener gut tun." Diese Gräberfelder seien auch ein Spiegel der Gesellschaft und zeigten die gestiegene Sensibilität für Kinder an, sagte Käßmann: "Ein in der Schwangerschaft verstorbenes Kinde ist nicht einfach eine Fehlgeburt, sondern ein Mensch, noch nicht lebensfähig, aber ein Mensch."

Käßmann bezog sich auf den toten Säugling "Mose", der Anfang Januar vor dem "Babykörbchen" am hannoverschen Friederikenstift gefunden wurde. Er soll am Freitag um 9 Uhr auf dem Friedhof im Stadtteil Stöcken bestattet werden. Dort gibt es ein Gräberfeld, um totgeborene und abgetriebene Kinder beizusetzen, die nicht bestattungspflichtig sind.

Zu der dreitägigen Tagung kamen rund 120 Delegierte nach Hannover, um sich über Themen der Friedhofskultur auszutauschen. Der Verband deutscher Friedhofsgärtner repräsentiert rund 4.500 Betriebe mit etwa 25.000 Beschäftigten.

Internet: www.friedhofsgaertner.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b0060/09.01.08)
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