Käßmann und Wulff rufen zu mehr Einsatz für Kinder auf

Nachricht 06. Januar 2008

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann und der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) haben am Sonntag zu einem verstärkten Schutz von Kindern aufgerufen. "Es gilt, einer Kultur der Gleichgültigkeit, wie sie leider immer öfter in unserer Gesellschaft zu beobachten ist, entgegenzutreten", sagte Wulff laut einem vorab verbreiteten Redemanuskript beim traditionellen Epiphaniasemfang der hannoverschen Landeskirche im Kloster Loccum. Er kündigte an, dass das Land bis 2011 rund 100 Millionen Euro in die frühkindliche Bildung investieren werde, insbesondere in die Sprachförderung in Kindertagesstätten.

Bischöfin Käßmann sagte die Unterstützung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers zu. Die Landessynode habe beschlossen, ebenfalls zwei Millionen Euro für 750 zusätzliche Krippenplätze zur Verfügung zu stellen. Damit werde die jetzige Zahl verdoppelt. "Wir brauchen jedes Kind, jedes Kind braucht uns", sagte Käßmann laut Redemanuksript. Zu dem Empfang im 1163 gegründeten Zisterzienser-Kloster Loccum bei Nienburg hatten sich rund 140 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur versammelt.

Über das Neugeborene, das am Mittwoch tot vor dem Babykörbchen am Friederikenstift in Hannover gefunden worden war, sagte Käßmann, sie könne sich die Tragödie noch immer nicht erklären. Es sei traurig, dass ein neues Jahr so beginne. Dies mache gleichzeitig klar: "Wir müssen uns noch mehr für Mütter in Not und für Kinder engagieren."

Käßmann nannte den namenlosen Jungen "Mose" nach dem biblischen Kind, das von seiner Mutter am Ufer des Nils ausgesetzt worden war: "Alles, was wir jetzt tun können, ist, den kleinen Mose würdig zu bestatten." Das Babykörbchen, das zu dem von Käßmann 2001 gegründeten Netzwerk "Mirjam" für schwangere Frauen in Not gehört, werde noch einmal gründlich überprüft. Die Bischöfin betonte, dass mit dem umfassenden Hilfsangebot des Netzwerks bisher 44 Frauen konkret geholfen werden konnte.

Der Ministerpräsident sagte, dass der staatliche Schutz von Kindern nie ganz lückenlos sein könne. Es komme vor allem auf die Aufmerksamkeit aller in der Gesellschaft und auf die Entschlossenheit der zuständigen Behörden an. Sie müssten schnell und wirksam zum Wohl des Kindes einschreiten: "Kinderarmut und Kindesvernachlässigung oder gar Misshandlungen und Tötungen haben viele Ursachen, die wir alle angehen müssen."

In der globalisierten Welt müsse jeder den Weg zu Wissen, Bildung, Kultur, Einkommen und Wohlstand finden können, sagte Wulff weiter: "Herkunft allein darf nicht das ganze Leben eines Menschen vorzeichnen."

(epd Niedersachsen-Bremen/b0026/06.01.08)
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