Epiphaniasempfang Loccum zwischen Tradition und Moderne

Nachricht 06. Januar 2008

Loccum (epd). Seit beinahe 60 Jahren lädt die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers Vertreter aus Politik, Wirtschaft und kulturellem Leben zu ihrem Empfang in das 845 Jahre alte Zisterzienserkloster nach Loccum ein. Der ehemalige Abt zu Loccum und Landesbischof Hanns Lilje hatte 1950 nach seiner Wahl zum Abt erstmals am 28. Dezember zum "Empfang zwischen den Jahren" gebeten. Lilje zu Ehren, der am 6. Januar 1977 starb, wurde die Feier auf Epiphanias verlegt. Sie ist seitdem der erste offizielle Termin des neuen Jahres in Niedersachsen.

Zwischen Tradition und Moderne hat der Empfang bis heute einen besonderen Charakter. Lilje bezeichnete seine Gäste gern als "Notabeln des Landes", wie einst die Mitglieder der königlichen Ratsversammlungen in Frankreich genannt wurden. In Loccum beschränkte sich ihre Zahl stets auf 140 Personen. Mehr sind nicht im Refektorium, dem ehemaligen Speisesaal der Mönche, unterzubringen. Ein Zeitzeuge erinnert sich: "Der liebe Gott hatte immer ein Einsehen und schickte Glatteis, so dass nicht jeder kommen konnte und doch noch alle einen Platz fanden."

Eng wird es immer noch, denn auch heute gilt es als etwas Besonderes, auf der Einladungsliste zu stehen. Dagegen sind die Jahre, als die einzige Rolle von Frauen das Kaffeeausschenken war, schon länger vorbei. Doch erst Landesbischöfin Margot Käßmann sorgt seit ihrem Amtsantritt vor neun Jahren konsequent dafür, dass die Frauenquote von Jahr zu Jahr steigt. In diesem Jahr lud die Bischöfin erstmals alle 15 Äbtissinnen der evangelischen Frauen-Klöster und -Stifte in Niedersachsen ein.

Noch immer sind die offiziellen Reden allein Bischöfin, Abt und Ministerpräsidenten vorbehalten. Früher wurde danach allerdings neben Kaffee und Butterkuchen nur noch der eine oder andere Schnaps zum Aufwärmen gereicht, bevor sich alle in der oft eiskalten Klosterkirche zur Andacht versammelten.

Heute ist das Angebot um Orangensaft, Sekt und Salzgebäck erweitert. Die Kirche ist nach Kräften beheizt. Mit der Bischöfin spricht inzwischen eine Frau den Segen zum neuen Jahr. Für ein ehemaliges Männerkloster aus dem Jahre 1163 erfolgten die Veränderungen der vergangenen Jahre schnell, sagen Beobachter, wenn auch manch anderes noch ganz beim Alten geblieben sei.

(epd Niedersachsen-Bremen/e0022/06.01.08)
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